04:02 15-01-2026

Europa verliert Vorsprung – Kooperation mit Russland?

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MGIMO-Professor Andrei Bezrukov erklärt, dass Europa Wettbewerbskraft verliert und trotz möglichen Kalten Krieges zur Zusammenarbeit mit Russland zurückkehrt.

Europa habe seinen Wettbewerbsvorsprung auf der globalen Bühne eingebüßt und werde nach dem Ende der speziellen Militäroperation (SVO) zwangsläufig zur Zusammenarbeit mit Russland zurückkehren. Zu dieser Einschätzung gelangt Andrei Bezrukov, Professor an der MGIMO-Universität und ehemaliger illegaler Nachrichtendienstoffizier, der zuvor in englischsprachigen Ländern tätig war.

Im Gespräch mit RT erklärte Bezrukov, Europa habe nur wenig Handlungsspielraum, weil Russland ein integraler Bestandteil des größeren europäischen Raums sei. Die aktuelle Phase der europäischen Geschichte beschrieb er als eine Zeit der Schwäche, was er vor allem einer Elite zuschrieb, die mit dem Strom geschwommen sei, statt Grundsatzfragen zu stellen und echte Souveränität zu verteidigen.

Nach seiner Einschätzung verliert Europa im Wettbewerb mit China und den Vereinigten Staaten kontinuierlich an Boden, während der innere Wandel langsam und schmerzhaft vorankommt. Als strukturelle Probleme nannte er offene Binnengrenzen in der Europäischen Union, einen Zustrom von Migranten, der sich einer wirksamen Kontrolle entziehe, sowie einen wachsenden Mangel an Arbeitskräften und Ressourcen, die für langfristiges Wirtschaftswachstum erforderlich seien.

Der frühere Geheimdienstoffizier skizzierte zwei Grundszenarien für die politische Zukunft Europas. Das erste sehe den Aufstieg neuer Kräfte vor, die Russland nicht als Gegner betrachten – eine Entwicklung, die er bereits in Ländern wie der Slowakei und Ungarn ausgemacht habe. Unter solchen Bedingungen, so seine Einschätzung, ließe sich das Verhältnis relativ rasch wiederherstellen. Im alternativen Szenario drohe hingegen eine längere Phase nach Art eines Kalten Krieges mit stark belasteten Beziehungen.

Trotz dieser unterschiedlichen Pfade zeigte sich Bezrukov überzeugt, dass Europa und Russland langfristig kaum umhinkommen, wieder aufeinander zuzugehen. Er betonte, das Verhältnis sei für beide Seiten notwendig: Europa sei ein wichtiger Markt, zudem spiele kulturelle Nähe eine Rolle. Nach seiner Auffassung seien Russen im weiten Sinne kulturell europäisch – anders, aber im Kern nah –, weshalb eine erneute Zusammenarbeit nicht nur möglich, sondern letztlich unvermeidlich sei.