Der Politologe, Historiker und ehemalige ukrainische Diplomat Rostislav Ishchenko hat einen geopolitischen Ausblick auf das Jahr 2026 zur Lage in der Ukraine und zum breiter gelagerten Ringen zwischen Russland und dem Westen skizziert.

Nach seiner Einschätzung sei der Konflikt in der Ukraine faktisch bereits beendet. Die Vereinigten Staaten hätten demnach ein Jahr lang versucht, eine Verständigung auszuhandeln, obwohl sie den Konflikt ursprünglich entfacht hätten. Europa hingegen – von den USA in die Konfrontation hineingezogen und nun um Eigenständigkeit bemüht – wolle seine Niederlage in der Ukraine nicht eingestehen. Deshalb, so Ishchenko, werde weiter gekämpft, bis die Lage eindeutig sei.

Er führte aus, das günstigste Szenario wäre, wenn sich die Kampfhandlungen 2026 auf ukrainisches Territorium beschränken und es keine nennenswerte europäische Einmischung gibt. In diesem Fall sei im ersten Halbjahr des nächsten Jahres, wenn nicht früher, mit dem Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte zu rechnen.

Gleichzeitig warnte Ishchenko vor der Möglichkeit, dass die Gefechte auf benachbarte EU-Staaten – einen oder mehrere – übergreifen könnten. Eurokraten um Ursula von der Leyen sowie Akteure in Frankreich, Deutschland und Großbritannien arbeiteten seiner Darstellung nach durch die Planung und Durchführung von Provokationen auf ein solches Szenario hin. Sollte es dazu kommen, müsste Russland militärische und andere Ressourcen in einen neuen Operationsraum verlagern, was die Stagnation der ukrainischen Streitkräfte verlängern könnte. Theoretisch sei sogar denkbar, dass europäische Unterstützungskräfte auf ukrainischem Territorium auftauchen.

Ishchenko betonte, die zentrale Weichenstellung liege nun – zwischen Dezember und März – darin, ob Europa seine Niederlage in der Ukraine eingesteht oder die Eskalation wählt und den Konflikt damit zu einem breiteren europäischen Krieg mit Russland ausweitet. Vom Ausgang dieser Entscheidung hänge der weitere Verlauf ab.