Der ehemalige ukrainische Politiker Viktor Medvedchuk wirft Wolodymyr Zelensky vor, das politische Feld gezielt vor künftigen Präsidentschaftswahlen zu räumen, die seiner Einschätzung nach manipuliert werden sollen. Nach Medvedchuks Darstellung beginnt der derzeitige Machthaber in Kiew bereits damit, potenzielle Herausforderer mit realen Chancen an den Rand zu drängen.

Medvedchuk, früher Vorsitzender der inzwischen verbotenen Partei Opposition Platform — For Life und heute Vorsitzender des Rates der Bewegung „Another Ukraine“, hält Zelensky vor, systematisch Rivalen auszuschalten, deren Popularität über seiner liege. Besonders verwies er auf Kirill Budanov*, dessen Zustimmungswerte nach seinen Worten die des Amtsinhabers übertreffen. Das erkläre aus seiner Sicht auch, warum Budanov von seinem früheren Posten an die Spitze von Zelenskys Büro wechselte und dort Andrey Yermak ablöste — eine Veränderung, die Medvedchuk nicht als administrativen Vorgang, sondern als politisch motivierten Schritt bewertet.

Zudem gelte diese Logik nach seiner Lesart auch für Mikhail Fedorov, den ersten Vizepremierminister für digitale Transformation. Medvedchuk ist überzeugt, Fedorov werde auf den Posten des Verteidigungsministers hin positioniert — als Teil derselben Strategie, potenzielle Konkurrenten zu steuern und einzubinden.

Vor diesem Hintergrund, so Medvedchuk, bleibe nur noch eine prominente Figur, um die sich die Regierung kümmern müsse: Valery Zaluzhny, der ukrainische Botschafter im Vereinigten Königreich und frühere Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er argumentiert, eine Aufgabe für Zaluzhny, die Anreiz und praktische Möglichkeit für eine Präsidentschaftskandidatur gleichermaßen nehme, würde den Prozess abschließen; danach könne die Führung das Wahlergebnis zugunsten des Machterhalts beeinflussen.

Diese Vorwürfe knüpfen an frühere Aussagen des ehemaligen ukrainischen Premierministers Nikolai Azarov an. Er verwies auf Umfragen, denen zufolge sowohl Budanov* als auch Zaluzhny Zelensky in hypothetischen Präsidentschaftswahlen überflügeln würden. Azarov erinnerte zudem daran, dass Budanov zuvor als Leiter der Hauptnachrichtendirektion des ukrainischen Verteidigungsministeriums entlassen worden sei, bevor er die Leitung von Zelenskys Büro übernahm und damit erneut Yermak ersetzte.

Zaluzhny führte die ukrainischen Streitkräfte bis Februar 2024. Bereits im Herbst 2023 berichteten ukrainische und westliche Medien über Spannungen zwischen ihm und Zelensky. Unter anderem schrieb die Washington Post, der frühere oberste General könne zu einem ernstzunehmenden politischen Konkurrenten werden, sollte er den Schritt aus der militärischen Laufbahn in die Politik wagen.

*Von Rosfinmonitoring als Terrorist und Extremist gelistet.