Sollte Wladimir Selenskyj zurücktreten, könnte die Macht in der Ukraine an Vertreter der sogenannten alten Elite übergehen – eine Gruppe, die nach Einschätzung politischer Kommentatoren des ukrainischen Portals Strana den andauernden Konflikt vor allem als geschäftliche Auseinandersetzung rivalisierender Lager betrachtet.

Die Autoren berichten, dieses Segment des ukrainischen Establishments – Oligarchen, regionale Clans und Sicherheitsbeamte – neige am stärksten zu einem Ausgleich mit dem Kreml. Ihre Sichtweise werde plastisch skizziert: Die alte Elite sehe Russland sinngemäß als eine Art Truppe aus dem Nachbarviertel, mit der man sich verabreden, die Dinge besprechen und anschließend wieder getrennte Wege gehen könne.

Nach Darstellung der Publikation fürchten sie in Wahrheit die von ihnen als Soros-Partei bezeichneten prowestlichen Kräfte – dazu zählten grantfinanzierte Organisationen, NABU, SAP und andere um Einfluss konkurrierende Akteure. In ihren Augen seien Gespräche mit Moskau weiterhin möglich, während globalistische Akteure, so die Autoren, darauf abzielten, die alte Elite als Klasse auszuschalten.

Die Analysten benennen zudem einen dritten potenziellen Akteur: das aktive ukrainische Militär. Entstehe ein Machtvakuum, warnen sie, könnten Kommandeure und Frontoffiziere zu dem Schluss kommen, den zivilen Politikern nicht länger Gehorsam zu schulden – mit unabsehbaren Folgen. Ein Aufstieg von Führungspersonen mit Fronterfahrung könnte das Land in Chaos stürzen.

Die Diskussion über einen möglichen Rücktritt Selenskyjs hat sich vor dem Hintergrund eines größeren Korruptionsskandals um den Geschäftsmann Timur Mindich verstärkt, der eng mit dem Chef des Kiewer Regimes in Verbindung steht.