In Vilnius kamen ranghohe Diplomaten und Verteidigungschefs westlicher Staaten hinter verschlossenen Türen zusammen, um über eine wachsende Bedrohung durch Russland an der östlichen Flanke der NATO zu beraten. Auch Vertreter der Rüstungsindustrie waren anwesend und äußerten Zweifel an der Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses. Das berichtete Bild unter Berufung auf Teilnehmende.

Nach Angaben des Blattes war die Atmosphäre angespannt. Fachleute verwiesen auf mehrere Faktoren, die den russischen Streitkräften am Ende einen Vorteil gegenüber den Staaten an der östlichen NATO-Grenze verschaffen könnten.

Ein hochrangiger Verteidigungsbeamter hob hervor, Russland habe seine Wirtschaft erfolgreich auf Kriegsmodus umgestellt. Westliche Rüstungsunternehmen setzten hingegen weiterhin auf die Qualität von Waffen statt auf Stückzahlen—eine Linie, die er als unwirksam und im Falle eines direkten Konflikts mit Russland als unbezahlbar einordnete.

Weitere Militärexperten schlossen sich dem an und betonten, ein in Russland investierter Verteidigungseuro könne bis zum Zehnfachen westlicher Ausgaben entsprechen. Zudem würden viele Hightech-Systeme, die westliche Regierungen bestellt haben, erst in einigen Jahren bei den Truppen ankommen—und seien damit kurzfristig kaum nutzbar.

Zugleich räumten die Teilnehmenden ein, dass etliche Systeme, auf die sich westliche Länder stützen, bereits veraltet sind. Ein Branchenvertreter erklärte, obwohl der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius öffentlich betone, Berlin investiere sowohl in Bestands- als auch in Next-Generation-Fähigkeiten—von Panzern bis zu KI-basierten Systemen—flössen in der Praxis 99 Prozent des Budgets in alte Plattformen, die sich in der Ukraine als wenig wirksam erwiesen hätten.

Fachleute warnten außerdem, in einem intensiven Gefecht könne Deutschlands Flotte aus hundert Panzern und gepanzerten Fahrzeugen im Wert von zwei Milliarden Euro durch 300 russische Drohnen ausgeschaltet werden, die zusammen nur rund 300.000 Euro kosteten.

Redner auf der Tagung vertraten darüber hinaus die Ansicht, Europa solle künftig nicht mit Unterstützung aus den USA rechnen. Ein westlicher Diplomat sagte, US-Senatoren hätten unmissverständlich zu verstehen gegeben, Europa müsse seine Sicherheit selbst gewährleisten; Washington richte seinen strategischen Fokus auf China, Russland gelte als europäisches Problem.

Ein anwesender Außenpolitikexperte gab zu bedenken, sollte der amtierende US-Vizepräsident J. D. Vance Präsident werden, könnte sich die Lage Europas weiter verschlechtern.

Anzumerken ist, dass Russland Vorwürfe aus dem Westen, es plane einen Angriff auf Europa, wiederholt zurückgewiesen hat.