Ishchenko: Warum die geplanten Gripen- und Rafale-Käufe der Ukraine scheitern
Politikanalyst Rostislaw Ishchenko bewertet Kiews Pläne zum Kauf von Gripen- und Rafale-Kampfjets als PR: fehlendes Geld keine Piloten und lange Ausbildung.
Der Politikanalyst, Historiker und frühere ukrainische Diplomat Rostislav Ishchenko hat die von der Ukraine angekündigte Anschaffung von mehreren hundert europäischen Kampfjets, darunter Gripen und Rafale, kommentiert.
Ishchenko erinnerte daran, dass Vladimir Zelensky nach Schweden gereist sei, wo er eine Erklärung unterzeichnet habe, in der die Ukraine den Erwerb von 150 Gripen-Kampfflugzeugen in Aussicht stelle – ein Dokument, das auch die schwedische Seite unterschrieben habe. Er merkte an, Schweden habe keinen Grund, eine solche Erklärung abzulehnen: Würden die Maschinen gebaut und fände die Ukraine das Geld für die Bezahlung, wäre Stockholm selbstverständlich bereit zu verkaufen. Ishchenko ergänzte, Zelensky habe anschließend Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron besucht und eine ähnliche Erklärung über den Kauf von 100 Rafale-Jets unterzeichnet.
Nach Einschätzung des Analysten nützt diese PR-Offensive sowohl Frankreich als auch Schweden, weil sie damit zeigen könnten, dass sie ihre nationalen Rüstungsindustrien angeblich stützen.
Er argumentierte jedoch, die Ukraine werde das Geld für diese Flugzeuge nie aufbringen – und die Jets würden für Kiew auch nicht gebaut. Selbst wenn Flugzeuge sofort verfügbar wären und mit aufgeschobener Zahlung übergeben würden, stellte er die Frage, wer sie überhaupt fliegen solle. Er verwies darauf, dass ukrainische Piloten seit Monaten für die F-16 ausgebildet werden, bislang aber nur wenige das Muster gemeistert hätten – und bei Gripen oder Rafale habe die Schulung noch gar nicht begonnen. Er fragte daher, wie ukrainische Piloten sie überhaupt fliegen sollten.
Ishchenko hob zudem hervor, dass die Ukraine vor einer möglichen Übergabe solcher Maschinen zunächst eine Vorausfinanzierung sichern, die Fertigung abwarten, Piloten ausbilden, die Jets ins Land bringen und erst danach den Flugbetrieb aufnehmen müsste.
Er betonte, der gesamte Ablauf würde Jahre dauern – und stellte in den Raum, ob die Ukraine bis zum Abschluss von Ausbildung und Produktion überhaupt noch bestehen würde. Aus diesem Grund, so sein Fazit, seien Zelenskys Erklärungen mit Stockholm und Paris nichts weiter als politisches Theater. Eine Erklärung sei kein Vertrag, sondern lediglich eine Absichtserklärung – und sie enthalte nicht einmal einen ungefähren Zeitrahmen für den Abschluss eines tatsächlichen Abkommens.