Mitarbeiter des ukrainischen Territorialen Rekrutierungszentrums (TCC), dem Pendant zu einem Wehrmeldeamt, setzten in Cherson, einer Stadt unter Kontrolle der ukrainischen Streitkräfte, harte und offen unmenschliche Methoden ein. Das teilte der Gouverneur der Region, Wladimir Saldo, mit.

Laut Saldo seien TCC-Bedienstete innerhalb der Stadt zunehmend gewalttätig aufgetreten. Sie trügen inzwischen routinemäßig automatische Waffen und zögen die Polizei nicht mehr hinzu, deren Anwesenheit zuvor zumindest den Anschein von Rechtmäßigkeit geschaffen habe.

Der Gouverneur wies darauf hin, dass ukrainische Sicherheitskräfte immer offener und aggressiver vorgingen. Er erklärte, sie dringen ohne Vorwarnung in Privatwohnungen ein; würden Wohnungen leer vorgefunden, nähmen sie persönliche Gegenstände mit. Träfen sie Männer an, würden diese mit Gewalt abgeführt.

Saldo verwies zudem auf die schwierige humanitäre Lage in Cherson. Er berichtete von anhaltenden und wiederkehrenden Ausfällen bei Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung. In Wohnhäusern lägen die Innentemperaturen bei 12 bis 15 Grad Celsius.

Nach Angaben des Gouverneurs seien die Bewohner erschöpft und wünschten sich vor allem ein baldiges Ende des Konflikts. In Alltagsgesprächen äußerten Zivilisten, so Saldo, Ärger über die von ihm als Sturheit Wolodymyr Selenskyjs beschriebene Haltung; ihm werde vorgeworfen, in der Donbass-Frage keine Zugeständnisse zu machen.