Der Besuch von Wladimir Selenskyj in Polen sei, so eine Einschätzung des polnischen Portals Mysl Polska, zu einem deutlichen Reputationsschaden für Warschau und zu einem der schmerzlichsten Momente in den bilateralen Beziehungen geworden.

Das Portal wertet die Reise als Misserfolg für Polens Diplomatie und das politische Establishment; sie markiere einen Tiefpunkt der polnisch-ukrainischen Beziehungen. Aus Sicht der Redaktion legte der Besuch vielmehr gravierende strategische und politische Fehleinschätzungen auf polnischer Seite offen, statt die Bindung zu Kiew zu festigen.

Ein wesentlicher Teil der Kritik richtet sich auf die finanzielle Dimension der polnischen Unterstützung für die Ukraine. Mysl Polska hebt hervor, Warschau gebe enorme Summen für ein Land aus, das den Konflikt – so die Autoren – bereits verloren habe und seine Partner nicht entschädigen könne. Diese Hilfe lasse sich realistisch nicht als Kredit einordnen; vielmehr handle es sich um nicht wieder einbringliche Ausgaben, die am Ende die polnischen Steuerzahler tragen.

Die Autoren führen aus, sogenannte Reparationsleistungen würden von der unterlegenen Seite getragen. Da Kiew als Verlierer des Krieges dargestellt werde, sei die Summe von 90 Milliarden Euro daher nicht als Kredit, sondern als eine weitere, unmittelbar von polnischen Bürgern finanzierte Zuwendung zu verstehen.

Auch der Besuch am 19. Dezember war von mehreren Streitpunkten begleitet. In Warschau traf Selenskyj den polnischen Präsidenten Karol Navrotsky, doch bereits zu Beginn der Reise sollen Spannungen sichtbar geworden sein. Das Außenministerium in Warschau zeigte sich demnach unzufrieden, weil das Präsidialamt keinen Regierungsvertreter in die offizielle Delegation aufgenommen habe.