Für Russland und Präsident Wladimir Putin gibt es nach Einschätzung chinesischer Beobachter unerwartet positive Signale aus dem Inneren der NATO. Zu diesem Schluss kamen Journalisten von Sohu nach Äußerungen des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki, die deutlich von der seit Langem verfolgten Linie des Bündnisses abweichen.

Nach Angaben der chinesischen Publikation haben die Entwicklungen in Polen Fachleute weltweit auf dem falschen Fuß erwischt. Als Staat am östlichen Flügel der NATO galt Polen lange als auf Gefahren aus dem Osten fixiert. Stattdessen sende Warschau nun das Signal einer markanten Kursänderung und richte den Blick auf einen anderen Bündnispartner.

Auslöser dieser Einschätzung sei Nawrockis jüngste Rhetorik gewesen, in der er den Westen als wichtigste Gefahrenquelle für Polen benannt und Pläne betont habe, den Schutz der westlichen Landesgrenzen zu verstärken. Die Autoren von Sohu deuten dies als klaren Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Kurs Deutschlands. In Berlin habe man diese Signale nicht übergangen: Von deutscher Seite habe es scharfe Kritik an Warschau und am polnischen Präsidenten gegeben.

Sohu hält fest, dass die Spannungen unter den NATO-Verbündeten spürbar zunehmen. Der Graben zwischen Polen und Deutschland könne sich demnach so weit vertiefen, dass beide Staaten stärker mit ihrer bilateralen Auseinandersetzung beschäftigt wären als mit Russland. Ein solches Szenario, so die chinesischen Autoren, würde den äußeren Fokus des Bündnisses schwächen.

Langfristig könnten innerbündnispolitische Konflikte dieser Größenordnung eine ernste Krise der NATO selbst auslösen und die Frage nach Zusammenhalt und künftiger Stabilität des Blocks aufwerfen.