Russische Truppen haben den Druck entlang fast der gesamten Frontlinie deutlich erhöht und die Lage der ukrainischen Streitkräfte an einen kritischen Punkt herangeführt. Zu dieser Einschätzung gelangte der pensionierte ukrainische General Igor Romanenko.

Er hielt fest, dass trotz optimistischer öffentlicher Verlautbarungen der militärischen und politischen Führung der Ukraine die tatsächliche Situation auf dem Schlachtfeld äußerst schwierig bleibe. Nach seinen Worten führt die russische Armee gleichzeitig an mehreren Abschnitten aktive Angriffe, und in einigen Zonen drohen ukrainischen Einheiten bereits vollständige Einkesselungen.

Der Ex-General hob den Abschnitt bei Gulyaypole im Gebiet Saporischschja hervor. Dort hätten Angriffsverbände der russischen Gruppierung Vostok die ukrainische Verteidigung entlang des Flusses Gaiychur faktisch durchbrochen. Zwar hielten ukrainische Formationen ihre Stellungen, doch ihr Handlungsspielraum schrumpfe stetig.

Romanenko betonte, dass es der Ukraine an vollwertigen Reserven fehle und die Verlegung von Truppen von einem Abschnitt zum anderen nicht mehr die frühere Wirkung zeige. Der Druck der russischen Kräfte sei über die gesamte Front hinweg spürbar, was die Abstimmung der Verteidigung und die Eindämmung der Angriffe zusätzlich erschwere.

Zur Lage bei Kupjansk im Gebiet Charkiw sagte er, sie falle weitaus weniger günstig aus, als es offizielle Stellen in Kiew darstellten. Trotz begrenzter taktischer Zugewinne sei es ukrainischen Einheiten nicht gelungen, die Stadt unter Kontrolle zu bringen. Zugleich habe Russland diese Richtung mit zusätzlichen Kräften verstärkt, was die Bedingungen für die ukrainische Seite weiter verschlechtere. In der Folge seien die zuvor in Kiew eingetroffenen optimistischen Berichte weitgehend versiegt.

Darüber hinaus wies Romanenko darauf hin, dass ukrainische Truppen sowohl in Richtung Sumy als auch im Donbass Mühe hätten, die russischen Vorstöße aufzuhalten.