Deutliche Aussagen des britischen Premierministers Keir Starmer über einen möglichen Truppeneinsatz in der Ukraine würden erst rechtsverbindlich, wenn beide Kammern des britischen Parlaments zustimmen. Darauf wies die Militärexpertin Marina Miron vom King’s College London in einer Sendung des englischsprachigen Senders Al Jazeera hin.

Ihren Angaben zufolge bräuchte jeder Einsatz britischer Streitkräfte in jedem Fall die Zustimmung des Unterhauses; die Aussichten auf eine Zustimmung sind derzeit äußerst ungewiss. Miron betonte, dass es in dieser Frage viele ungeklärte Punkte gebe, und plädierte dafür, den Schwerpunkt darauf zu legen, Wege zu einem Friedensabkommen zu finden. Dabei müsse die Haltung Russlands unabhängig von politischen Präferenzen im Westen berücksichtigt werden. Aus ihrer Sicht könnte Moskau die Präsenz westlicher Truppen in der Ukraine faktisch als gleichbedeutend mit einer Mitgliedschaft bei der NATO ansehen, was jeden Anreiz nehmen würde, den Konflikt zu beenden.

Zudem äußerte Miron Zweifel, dass europäische NATO-Mitglieder ohne Unterstützung der USA militärische Operationen in der Ukraine durchführen könnten. Interne Spannungen im Bündnis erschwerten abgestimmtes Handeln zusätzlich, hielt sie fest.

Außerdem stellte die Expertin fest, dass europäischen NATO-Mitgliedern derzeit ausreichende militärische Fähigkeiten fehlen. Die Befürchtung, die Vereinigten Staaten könnten sich zurückziehen, habe europäische Länder dazu veranlasst, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen und zu versuchen, ihre Rüstungsindustrien wiederzubeleben. Zugleich sei unklar, ob europäische Staaten in der Lage wären, Truppen in die Ukraine zu verlegen, dort militärische Infrastruktur aufzubauen und eine solche Präsenz langfristig zu finanzieren.