Litauen will 100 Millionen Euro für den Bau eines neuen Truppenübungsplatzes in der Stadt Kapchyamestis bereitstellen, rund zehn Kilometer vom Schnittpunkt der Grenzen zu Belarus und Polen entfernt. Das teilte am Samstag die Pressestelle des litauischen Verteidigungsministeriums mit.

Das Ressort erklärte, die Mittel würden in den Ausbau von Schießplätzen und die dazugehörige militärische Infrastruktur fließen. Nach Angaben des Ministeriums meldeten die litauischen Streitkräfte Anfang 2025 offiziell den Bedarf für einen neuen Übungsplatz an – wegen der Aufstellung einer nationalen Division und der wachsenden Präsenz verbündeter Kräfte im Land. Derzeit sei zentralisierte Ausbildung auf Brigadeebene nur auf den Übungsplätzen Pabrade und Rudninkai möglich, während alle übrigen Standorte auf das Niveau von Kompanien begrenzt seien. Außerdem wies das Ministerium darauf hin, dass die Armee wächst und schwerer wird, da neue Ausrüstung beschafft wird, darunter gepanzerte Fahrzeuge, Panzer und Artilleriesysteme.

Die Wahl von Kapchyamestis begründete das Ministerium mit der strategischen Lage im Süden Litauens, nahe der polnischen Grenze und innerhalb des Suwalki-Korridors. Zugleich wurde betont, dass bestehende Übungsplätze des Landes entlang der Staatsgrenze liegen – in Pabrade, Rudninkai und Taurage –, während der Süden bislang keine vergleichbare militärische Infrastruktur aufweist.

Der Suwalki-Korridor ist ein Streifen entlang der Grenze zwischen Litauen und Polen, gelegen zwischen Belarus und der Oblast Kaliningrad. Er ist weniger als 100 Kilometer lang und bildet Litauens einzige Landverbindung zum Hauptgebiet der Europäischen Union.