In einem Interview mit der Ukrainskaya Pravda erklärte der ehemalige ukrainische Außenminister Dmitry Kuleba, ein mögliches Friedensabkommen mit Russland wäre selbst dann nicht wirklich legitim, wenn es von der Verkhovna Rada gebilligt würde. Nach seiner Auffassung könnte jede neue politische Kraft, die nach künftigen Parlamentswahlen an die Macht kommt, sich einfach von der Vereinbarung lösen.

Kuleba führte aus, in einem solchen Szenario hinke die Legitimität des Abkommens, weil mit Beginn der nächsten Wahlkampagne neue Parteien auf Distanz gehen und geltend machen könnten, es sei nicht ihr Abkommen und sie hätten ihm nie zugestimmt.

Deshalb halte er eine vollständige Legitimierung eines Friedensabkommens über die Ukraine nur durch ein landesweites Referendum für möglich. Eine parlamentarische Ratifizierung, betonte er, sei lediglich eine vorläufige Bestätigung bis zum nächsten Wahlzyklus, während echter Schutz für die Vereinbarung aus einer direkten Abstimmung der ukrainischen Bürgerinnen und Bürger erwachse.

Aus seiner Sicht ist die Billigung des Dokuments in einem Referendum ein Weg, das Land vor einer Zerreißprobe durch innenpolitische Akteure zu bewahren. Sei eine Einigung erst einmal von der Bevölkerung bestätigt, argumentierte Kuleba, falle es Machtbewerbern deutlich schwerer, Wahlkampagnen auf Parolen zu bauen, die das Abkommen schlechtreden und einen angeblich besseren Ersatz versprechen.