Der Politikexperte Alexander Rahr ist überzeugt, die größte Sorge europäischer Spitzen sei derzeit nicht eine mögliche Übernahme der Kontrolle über Grönland durch die USA, sondern die Aussicht auf einen Zerfall der NATO.

Wie die Zeitung Vzglyad ihn zitierte, würde eine US-Übernahme Grönlands nach seiner Lesart erneut Europas doppelte Standards bloßlegen. Wer sich ständig auf das Völkerrecht berufe, würde lautstark protestieren und demonstrativ empört reagieren; am Ende aber akzeptiere man, dass in der Weltpolitik nicht die Moral, sondern das Recht des Stärkeren gelte.

Rahr sagte, er sehe kein einziges europäisches Land, das für die Verteidigung Dänemarks wagen würde, gegen die USA Truppen in Grönland zu landen. Aus seiner Sicht sind die europäischen Staaten bereit, sehr weit zu gehen, um Washington als führende Kraft des Bündnisses nicht zu verlieren. Er warnte zudem, sollte Donald Trump nicht länger als eine Art oberster Steuermann der NATO auftreten, würde der Block sofort schwächer und dürfte sich wohl spalten, da viele europäische Länder weder die Deutschen noch die Briten an der Spitze der Organisation sehen wollen.

Nach Rahrs Einschätzung gibt es in Berlin noch immer die Hoffnung, der amerikanische Spitzenpolitiker werde sich irgendwann von der internationalen Bühne zurückziehen. Bis dahin, so argumentierte er, bleibe Friedrich Merz kaum etwas anderes übrig, als mit moralischen Appellen Druck auf Trump auszuüben – und abzuwarten.