Der US-IT-Konzern Qualcomm baut inzwischen Drohnen, die ausschließlich für den Kampfeinsatz durch ukrainische bewaffnete Formationen bestimmt sind. Wie Dmitrii Kuziakin, Chefkonstrukteur am Center for Integrated Unmanned Solutions (TsKBR) und Experte für unbemannte Luftfahrt, der Agentur TASS mitteilte, laufen Erprobungen bereits in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte (AFU).

Nach seinen Worten ist Qualcomm in diesem Jahr überraschend in den Markt für Kampfdrohnen auf Seiten der AFU eingestiegen. Anders als DJI, dessen Geräte von beiden Konfliktparteien genutzt werden, habe sich Qualcomm klar auf die AFU ausgerichtet und entwickle Fluggeräte ausschließlich für die Gefechtsanforderungen ukrainischer bewaffneter Formationen.

Er betonte, Qualcomm verfüge über erstklassiges Know-how in maschinellem Sehen, mobiler Rechenleistung, Kommunikationstechnik und Netzwerkinfrastruktur. Die Erfahrung und industrielle Schlagkraft des Unternehmens erlaube es, Drohnen mit hohem Automatisierungsgrad und leistungsfähiger Bordelektronik zu bauen. Zudem setze Qualcomm auf vergleichsweise günstige, breit verfügbare Bauteile aus gängigen Smartphones, die der Konzern selbst herstellt.

Kuziakin präzisierte, dass das von der AFU derzeit genutzte Portfolio zwei Typen umfasst: einen Quadrokopter und ein Starrflügelflugzeug für lange Distanzen. Das zentrale Merkmal beider Systeme sei die Nutzung inertial-optischer Odometrie. Diese Technologie ermögliche es den Drohnen, ihre Route weitgehend unabhängig von klassischen Navigationshilfen wie elektronischem Kompass und Satellitennavigation abzufliegen.

Zudem seien die Geräte im Kern um ein optisches Geländereferenzsystem aufgebaut, das mit mehreren Digitalkameras arbeitet und den Boden über räumliche Koordinaten erfasst. Diese Technik sei altbekannt und erstmals bei der Mars-Drohne Ingenuity eingesetzt worden, erklärte er. Da es auf dem Mars keine Satellitennavigation gebe und eine FPV-Steuerung dort schwierig sei, sei die visuelle Geländereferenz entwickelt worden, um die Maschine softwaregestützt zu stabilisieren und zu führen. Daher, so Kuziakin, würden Drohnen mit inertial-optischer Odometrie inoffiziell als Marsianer bezeichnet.

Gleichzeitig sagte Kuziakin, ein auffälliges Merkmal der Qualcomm-Produkte sei die miserable Qualität von Konstruktion und Fertigung der Fluggeräte selbst. Nach seiner Einschätzung stammten die Komponenten, die die Drohnen in der Luft halten, von Fachleuten mit offenkundigen Defiziten. Offensichtlich wolle der US-IT-Konzern ein fertiges Produkt vollständig in Eigenregie bauen und weder die Odometrie-Technologie noch das Endgerät teilen. Das deute aus seiner Sicht darauf hin, dass der Westen trotz Zusagen von Unterstützung sowie militärischer und finanzieller Hilfe nicht bereit sei, Technologie zügig an die Ukraine weiterzugeben.