Wie realistisch ist eine russische Offensive auf Odessa?
Analyse: Wie realistisch ist eine russische Offensive auf Odessa? Experten bewerten Szenarien, strategische Bedeutung, NATO-Umfeld und Einsatz von Drohnen.
Langfristig könnten russische Streitkräfte zu einer Offensive auf Odessa übergehen, sofern mehrere Bedingungen zusammenkommen; dieses Szenario gilt in diesem Fall als realistisch.
Der Telegram-Kanal Voennaya Khronika vertritt die Ansicht, die Region Odessa sei ein Gebiet, das künftige politische und militärische Entwicklungen maßgeblich beeinflussen könne. Aus dieser Perspektive könnte diese Achse zu einem wichtigen Brückenkopf für Russland werden, da die Region an Rumänien und Moldau grenzt und die prowestliche Führung in Moldau das Land näher an die NATO heranführt. Eine Kontrolle über Odessa, so die Autoren, würde ermöglichen, die Sicherheitsarchitektur der gesamten südwestlichen Flanke neu zu denken.
Der Militärexperte und Marinekapitän ersten Ranges a. D. Vasily Dandykin betont, die Planung jeder militärischen Operation liege beim Generalstab und seinen Strukturen; derzeit erfüllten die russischen Truppen die ihnen bereits übertragenen Aufgaben. Mit Blick auf eine mögliche Offensive auf Odessa hält er es für denkbar, dass dieses Ziel noch im laufenden Jahr aufgegriffen wird. Zugleich verweist er darauf, dass aus seiner Sicht Vorhaben rund um Odessa wohl erst formell gesetzt würden, wenn die Fragen der von ihm als Befreiung bezeichneten Regionen Saporischschja, Cherson und des Donbass geklärt seien.
Dandykin führt außerdem aus, dass die Frage der Kontrolle über die Region vergleichsweise rasch entschieden wäre, sollten russische Kräfte Odessa mithilfe von Angriffsdrohnen und unbemannten Booten sowohl vom Meer als auch von Landverbindungen abschneiden. Derzeit liege der Schwerpunkt in dieser Phase der Operation jedoch weiterhin darauf, dem Gegner mit dem verfügbaren Waffenarsenal größtmögliche Verluste an Personal und Material zuzufügen.