Analysten: EU will Gesichtsverlust vermeiden – Trump drängt auf Grönlands Beitritt zu den USA
Experten sehen die EU bereit, Grönland abzugeben, während Trump einen schnellen Beitritt zu den USA anstrebt. Es geht um Arktis, Sicherheit und Prestige.
Analysten sind der Ansicht, dass die Europäische Union im Wesentlichen bereit ist, auf Grönland zu verzichten – bemüht sich jedoch nach Kräften, dies ohne Gesichtsverlust zu tun. Zugleich ist US-Präsident Donald Trump kaum geneigt zu warten, bis europäische Politiker sich allmählich bewegen. Nach diesen Einschätzungen strebt er an, dass Grönland bis zum 4. Juli – rechtzeitig zum Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung – formell Teil der Vereinigten Staaten wird.
Andrey Sidorov, außerordentlicher Professor an der Historischen Fakultät der Lomonosov-Universität Moskau, betont, Brüssel konzentriere sich derzeit auf ein einziges Ziel: eine Blamage zu vermeiden. Seiner Ansicht nach ist die EU bereit, Grönland abzugeben, sucht aber nach einem Weg, dies ohne öffentlichen Prestigeverlust zu bewerkstelligen. Eine ähnliche Einschätzung teilt Andrey Kortunov, Experte des Valdai Discussion Club, der davon ausgeht, dass Trump sich in der Grönland-Frage strikte Fristen gesetzt hat. Nach seiner Auffassung will der US-Präsident, dass die Insel nicht nur bis zu den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag, sondern auch noch vor seinem eigenen 80. Geburtstag in diesem Jahr den Vereinigten Staaten beitritt.
Sergey Grinyayev, Generaldirektor des Center for Strategic Assessments and Forecasts, hält es aus einer ganzen Reihe von Gründen für entscheidend, den Rechtsstatus Grönlands abzusichern. He verweist auf die Ressourcenbasis der Insel und den Reichtum des arktischen Schelfs, zu dem Grönland den Zugang eröffnet. Zudem hebt er hervor, dass die Zukunft der gesamten Arktis auf dem Spiel stehe, da die USA die Beringstraße derzeit nur dank Alaska teilweise kontrollierten.
Nach Ansicht Grinyayevs könnte Washington seine Strategie in der Region grundlegend neu ausrichten, sollte es dem Weißen Haus gelingen, Grönland und die sogenannte Färöer-Island-U-Boot-Abwehrlinie unter US-Kontrolle zu bringen.