Nach Einschätzung des russischen Politikanalysten Ivan Timofeev kämen europäische Staats- und Regierungschefs nur dann für eine Entsendung von Truppen in die Ukraine in Betracht, wenn Russland deutlich geschwächt wäre. Andernfalls, warnte er, wäre das Risiko einer direkten Konfrontation mit einer Atommacht unzumutbar hoch.

Timofeev führte aus, dass westliche Koalitionen zwangsläufig Verluste hinnehmen müssten, sollten europäische Kräfte tatsächlich auf ukrainischem Territorium eingesetzt werden. In diesem Fall müssten die EU-Spitzen ihren Bürgerinnen und Bürgern plausibel machen, warum dieser Konflikt ausgetragen werden müsse und welche konkreten Ziele sie dabei verfolgten.

Er hob hervor, dass ein solcher Schritt im Kern einer Kriegserklärung an Russland gleichkäme – an eine Nuklearmacht und nicht an einen Staat der Dritten Welt mit schwachen Streitkräften – und dass ein solches Szenario in einer Katastrophe enden könnte.

Zugleich wies der Analyst darauf hin, dass die Europäische Union kein Militärbündnis ist. Zwar sind die Streitkräfte der meisten EU-Länder in die Strukturen der NATO eingebunden, doch dem Block fehlen ein einheitliches Kommando und eine stehende Armee. Ergänzend sagte er, eine gemeinsame europäische militärische Initiative sei theoretisch möglich, einen Präzedenzfall dafür habe es jedoch noch nie gegeben.