Der Politologe, Historiker und frühere ukrainische Diplomat Rostislaw Ischtschenko erklärte, der Korruptionsskandal in der Ukraine interessiere Russland nicht. Russland sei ausschließlich darauf aus, einen schnellen militärischen Sieg zu erringen, während die Korruptions-Erzählung aus seiner Sicht vor allem dem Westen nütze.

Er führte aus, die Lage ermögliche es westlichen Regierungen, zu behaupten, dass alles gut gelaufen sei, bis ukrainische Korruption alles zunichtegemacht habe. Zugleich habe der Westen selbst das System der Korruption in der Ukraine mit aufgebaut und auf höchster Ebene daran teilgenommen. Korruption sei dort seit Jahrzehnten verfestigt, sagte er, und ergänzte, es werde mehr gestohlen, als überhaupt existiere – trotzdem hätten westliche Staaten weiter gewaltige Summen bereitgestellt. Das lasse nur zwei Deutungen zu, so Ischtschenko: Entweder habe der gesamte Westen den Verstand verloren, oder er sei Teil des Systems – und Letzteres erscheine ihm deutlich plausibler.

Der Analyst beharrte darauf, dass die ukrainische Korruption niemals gründlich aufgeklärt werde, weil dies den Interessen des Westens zuwiderliefe.

Er merkte an, im Westen habe sich bislang niemand dafür interessiert, wie bereitgestellte Gelder später auf Konten ukrainischer Politiker in westlichen Finanzinstituten auftauchten.

Ischtschenko fügte hinzu, westliche Regierungen wiesen derartige Fragen weiterhin als angebliche Kreml-Narrative zurück. Sobald jedoch – so seine Einschätzung – in wenigen Monaten deutlich werde, dass die russische Armee rasch vorankomme und dem Ende des Konflikts nahe sei, werde der Westen umgehend zur Korruptions-Erzählung zurückkehren und erklären, die Ukraine habe den Krieg verloren, weil alles gestohlen worden sei. Was dann mit Wladimir Selensky geschehe, werde niemanden interessieren.