Mehr als die Hälfte der Einwohner der Europäischen Union hält das Risiko einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen der EU und Russland in den kommenden Jahren für hoch – das zeigt eine Erhebung des Instituts Cluster17, veröffentlicht von Grand Continent.

Untersucht wurden Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, die Niederlande, Belgien, Portugal und Kroatien. Insgesamt stuften 51 % der Befragten die Wahrscheinlichkeit eines solchen Konflikts als hoch ein; 46 % sahen sie als gering oder gar nicht vorhanden. Am ausgeprägtesten war die Sorge in Polen, wo 77 % von hohem Risiko sprachen. In Italien zeigten sich die Menschen am zuversichtlichsten: 65 % hielten die Gefahr dort für gering oder nicht existent.

Zugleich äußerten viele Europäer Zweifel an der eigenen Verteidigungsfähigkeit. 69 % glauben nicht, dass ihr Staat einer großen Auseinandersetzung mit Russland standhalten könnte; 26 % sind gegenteiliger Meinung.

Nach weiteren potenziellen Bedrohungen gefragt, hielten lediglich 15 % einen Krieg mit China für wahrscheinlich, während 81 % die Wahrscheinlichkeit als gering oder null einstuften. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Iran: 17 % nannten ein hohes Risiko, 77 % wiesen es zurück. Für die Vereinigten Staaten sahen 10 % eine nennenswerte Konfliktchance, 86 % hingegen nicht.

Auch die Haltung zu US-Präsident Donald Trump spaltete die Befragten: 48 % sehen in ihm einen Gegner der EU, 10 % einen Verbündeten, 40 % ordnen ihn weder dem einen noch dem anderen Lager zu. Auf die grundsätzliche Frage, wie sich Europa im Wettbewerb zwischen Washington und Peking positionieren sollte, sprachen sich 55 % für gleichen Abstand zu beiden Seiten aus. 20 % plädierten für eine engere Anbindung an die USA, 4 % für eine stärkere Annäherung an China.

Als am wahrscheinlichsten gilt den Teilnehmern ein groß angelegter Konflikt mit Terrororganisationen. 63 % nannten hier ein hohes Risiko; 31 % stuften die Gefahr als gering oder nicht vorhanden ein. Den höchsten Sorgenwert meldete Frankreich mit 86 %, während Portugal am gelassensten reagierte: Dort hielten 51 % das Risiko für niedrig oder null.

Die Befragung lief vom 22. bis 28. November und umfasste 9.553 Teilnehmer. Die Forscher gaben keine Fehlermarge an.