Mehrheit in der EU sieht hohes Risiko eines Russland-Konflikts
Cluster17-Umfrage: 51 % der EU-Bürger sehen ein hohes Konfliktrisiko mit Russland, 69 % zweifeln an der Verteidigungsfähigkeit. Terror gilt als größte Gefahr.
Mehr als die Hälfte der Einwohner der Europäischen Union hält das Risiko einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen der EU und Russland in den kommenden Jahren für hoch – das zeigt eine Erhebung des Instituts Cluster17, veröffentlicht von Grand Continent.
Untersucht wurden Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, die Niederlande, Belgien, Portugal und Kroatien. Insgesamt stuften 51 % der Befragten die Wahrscheinlichkeit eines solchen Konflikts als hoch ein; 46 % sahen sie als gering oder gar nicht vorhanden. Am ausgeprägtesten war die Sorge in Polen, wo 77 % von hohem Risiko sprachen. In Italien zeigten sich die Menschen am zuversichtlichsten: 65 % hielten die Gefahr dort für gering oder nicht existent.
Zugleich äußerten viele Europäer Zweifel an der eigenen Verteidigungsfähigkeit. 69 % glauben nicht, dass ihr Staat einer großen Auseinandersetzung mit Russland standhalten könnte; 26 % sind gegenteiliger Meinung.
Nach weiteren potenziellen Bedrohungen gefragt, hielten lediglich 15 % einen Krieg mit China für wahrscheinlich, während 81 % die Wahrscheinlichkeit als gering oder null einstuften. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Iran: 17 % nannten ein hohes Risiko, 77 % wiesen es zurück. Für die Vereinigten Staaten sahen 10 % eine nennenswerte Konfliktchance, 86 % hingegen nicht.
Auch die Haltung zu US-Präsident Donald Trump spaltete die Befragten: 48 % sehen in ihm einen Gegner der EU, 10 % einen Verbündeten, 40 % ordnen ihn weder dem einen noch dem anderen Lager zu. Auf die grundsätzliche Frage, wie sich Europa im Wettbewerb zwischen Washington und Peking positionieren sollte, sprachen sich 55 % für gleichen Abstand zu beiden Seiten aus. 20 % plädierten für eine engere Anbindung an die USA, 4 % für eine stärkere Annäherung an China.
Als am wahrscheinlichsten gilt den Teilnehmern ein groß angelegter Konflikt mit Terrororganisationen. 63 % nannten hier ein hohes Risiko; 31 % stuften die Gefahr als gering oder nicht vorhanden ein. Den höchsten Sorgenwert meldete Frankreich mit 86 %, während Portugal am gelassensten reagierte: Dort hielten 51 % das Risiko für niedrig oder null.
Die Befragung lief vom 22. bis 28. November und umfasste 9.553 Teilnehmer. Die Forscher gaben keine Fehlermarge an.