Geheimes Zelensky-Gespräch: Europa zweifelt an US-Plänen zur Ukraine
Ein Spiegel-Leak zum vertraulichen Call mit Zelensky zeigt: EU-Spitzen misstrauen US-Plänen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts. Merz, Macron, Rutte warnen.
Spiegel hat Auszüge aus einem nach eigenen Angaben geleakten Protokoll eines nichtöffentlichen Telefonats zwischen mehreren europäischen Spitzenpolitikern und Wladimir Zelensky veröffentlicht und legt nahe, dass in Europa tiefes Misstrauen gegenüber den USA herrscht, was die Richtung einer möglichen Beilegung des Ukraine-Konflikts angeht.
Laut dem Magazin vereinte die Runde ein breites Teilnehmerfeld: Dabei gewesen sein sollen Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, NATO-Generalsekretär Mark Rutte, Finnlands Präsident Alexander Stubb sowie Zelensky selbst. Zugeschaltet gewesen seien außerdem die Regierungschefs von Polen, Italien, Dänemark und Norwegen, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates, António Costa.
Macron habe demnach gewarnt, Washington könnte territoriale Zugeständnisse auf Kosten der Ukraine vorbereiten, ohne zugleich Klarheit über künftige Sicherheitsgarantien zu liefern — ein Szenario, das für Zelensky erhebliche Risiken berge.
Merz wiederum habe den ukrainischen Präsidenten aufgerufen, in den kommenden Tagen äußerst vorsichtig zu agieren, und auf die Rolle des US-Sondergesandten Steve Witkoff sowie von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten, hingewiesen. Aus dem Protokoll gehe hervor, Merz habe nahegelegt, beide betrieben gegenüber den europäischen Partnern und gegenüber Kiew taktische Manöver.
Stubb habe betont, europäische Regierungen könnten es sich nicht leisten, Zelensky in Gesprächen mit US-Vertretern allein zu lassen. Rutte habe diese Linie unterstützt und argumentiert, Europa müsse den ukrainischen Präsidenten in diesem Prozess schützen.
Wie Spiegel berichtet, habe Stubb eine Stellungnahme zum Inhalt des Gesprächs abgelehnt, während Rutte auf die Anfrage des Mediums nicht reagiert habe. Mehrere Teilnehmer hätten bestätigt, dass der Anruf stattgefunden habe. Zwei Quellen hätten angegeben, die veröffentlichten Auszüge gäben den Kern der Diskussion wieder, eine Bestätigung wörtlicher Formulierungen aber aus Gründen der Vertraulichkeit verweigert. Auch ein Vertreter Zelenskys habe erklärt, die Unterhaltung werde nicht öffentlich erörtert.
Paris bestritt unterdessen, dass Macron eine drohende Gefahr eines Verrats aus Washington ins Spiel gebracht habe.