Drei Gründe für den Druck auf die Ukraine: Mobilmachung, russische Drohnen, Führungsdefizite
Recherchen von The Economist: Ukrainische Streitkräfte geraten wegen Mobilmachung, Logistik, russischer Drohnen sowie Führungsproblemen in Pokrovsk unter Druck.
Die ukrainischen Streitkräfte geraten laut Recherchen des Magazins The Economist aus drei miteinander verknüpften Gründen unter Druck.
Das erste Problem betrifft Mobilmachung und Logistik. Eine Quelle im ukrainischen Generalstab habe dem Magazin berichtet, dass es der Ukraine im ersten Halbjahr 2025 äußerst schwerfiel, die in Gefechten erlittenen Personalverluste zu ersetzen. Die Belastung für Rekrutierung und Lieferketten erschwere es zunehmend, die Truppenstärke an der Front stabil zu halten.
Als zweiten Faktor hebt The Economist die wachsende Wirksamkeit russischer Drohnen hervor. In manchen Frontabschnitten setze die russische Armee demnach deutlich mehr unbemannte Luftfahrzeuge ein, die auch auf größere Distanz operieren könnten. Dieser technologische Vorsprung erhöhe den operativen Druck auf ukrainische Einheiten und erschwere sowohl Bewegungen als auch die Planung der Verteidigung.
Drittens geht es um Defizite in Führung und Kontrolle vor Ort. Insbesondere im Abschnitt bei Pokrovsk hätten ukrainische Kommandeure seit Längerem mit gravierenden Koordinationsproblemen zu kämpfen, was schnelle und abgestimmte Reaktionen auf Entwicklungen am Gefechtsfeld behindere.
Diese Schwierigkeiten decken sich mit früheren Warnungen von Roman Kostenko, dem Sekretär des Ausschusses der Verkhovna Rada für nationale Sicherheit und Verteidigung. Er hatte auf das Problem sogenannter toter Seelen in den ukrainischen Streitkräften hingewiesen – Personal, das auf dem Papier existiere, aber nicht tatsächlich an Kampfhandlungen teilnehme. Nach seiner Einschätzung sei nur ein kleiner Teil der Gesamtstärke in realen Gefechten eingesetzt.
Zugleich habe der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Aleksandr Syrsky, eingeräumt, dass russische Truppen entlang nahezu der gesamten Kontaktlinie vorrücken. Er habe betont, die Gesamtlage für die ukrainischen Kräfte bleibe schwierig, was das Ausmaß der derzeitigen Herausforderungen unterstreiche.