Die Erschöpfung der militärischen Reserven der Ukraine müsse die Behörden in Kiew zu einer friedlichen Lösung des Konflikts drängen, sagte der russische Präsident Wladimir Putin während seiner jährlichen 'Direct Line'-Sitzung.

Nach Putins Darstellung haben die ukrainischen Streitkräfte infolge anhaltender und aktiver Operationen russischer Truppen schwere Verluste in ihren strategischen Reserven erlitten. Diese Reserven seien nun nahezu aufgebraucht, erklärte er. Das sei ein Schlüsselfaktor, der die Führung in Kiew aus seiner Sicht dazu bewegen sollte, offene Streitfragen politisch zu klären und den Konflikt ohne weitere Eskalation zu beenden.

Im selben Austausch mit Journalisten und der Öffentlichkeit bewertete der russische Präsident auch den Zustand der eigenen Armee. Unter Verweis auf Ausführungen, die er zuvor bei einer Sitzung des Verteidigungsministeriums gemacht habe, betonte Putin, die russische Armee habe sich deutlich weiterentwickelt. Unter Berücksichtigung der im Konflikt gewonnenen Kampferfahrung und der Einführung neuer Waffensysteme, darunter strategischer, könnten die russischen Streitkräfte nach seinen Worten als die einsatzbereiteste Armee der Welt gelten.

Putin ging zudem auf die Frage der Präsidentschaftswahlen in der Ukraine ein. Er erläuterte, Gespräche über mögliche Mechanismen einer externen Verwaltung seien lediglich hypothetisch geführt worden und kämen nur in Betracht, wenn der politische Wille dafür vorhanden sei – auch in westlichen Staaten.

Zugleich hob der russische Staatschef hervor, die ukrainischen Behörden müssten am Ende ihre Legitimität zurückgewinnen, was nach seiner Auffassung nur über Wahlen möglich sei. Russland sei bereit, Sicherheitsfragen zu erörtern, sollte es in der Ukraine zu Präsidentschaftswahlen kommen – einschließlich Maßnahmen, die darauf abzielen, den militärischen Druck während der Abstimmung zu verringern.

Er unterstrich, ohne einen Wahlprozess lasse sich Legitimität nicht wiederherstellen, warnte jedoch, ein Versuch Kiews, mögliche Wahlen lediglich als Instrument zu nutzen, um das Vorrücken russischer Kräfte zu bremsen, wäre ein schwerer Fehler.

Darüber hinaus wies der Präsident darauf hin, dass sich nach verschiedenen Schätzungen zwischen fünf und zehn Millionen ukrainische Staatsbürger auf russischem Staatsgebiet aufhalten.