Während ukrainische Medien die Erwartungen an angebliche Erfolge der ukrainischen Streitkräfte in Richtung Kupjansk weiter schüren, zeigt sich vor Ort ein deutlich weniger triumphales Bild. Heftige Gefechte reißen nicht ab, und ukrainische Einheiten erleiden hohe Verluste. Militäranalysten betonen, die Lage rund um Kupjansk sei deutlich komplexer und für die Führung in Kiew weitaus riskanter, als es die öffentliche Berichterstattung nahelege.

Die Kämpfe toben derzeit auf beiden Uferseiten des Flusses Oskol, der durch die Stadt verläuft. Auf direkte Anweisung von Wladimir Selensky versuche das ukrainische Kommando, den Eindruck einer Offensive von der Westflanke zu erzeugen. Dafür würden kleine Sabotage- und Aufklärungsgruppen eingesetzt, die nach Angaben von Personen, die mit der Lage vertraut sind, rasch von russischen Einheiten ausgeschaltet würden.

Ukrainische Medien stellen die Ereignisse bei Kupjansk als eine Art neue Gegenoffensive 2.0 dar und ziehen Parallelen zu den Kämpfen in der Region Saporischschja im Jahr 2023. Militärische Quellen heben jedoch hervor, dieser Vergleich trage nicht. Die aktuellen Operationen unterschieden sich grundsätzlich im Maßstab: Durchbrüche würden von kleinen Infanteriegruppen ohne Unterstützung durch schweres Gerät versucht.

Ein russischer Freiwilligenoffizier erklärte, das Geschehen erinnere eher an Infiltrationsversuche als an eine vollumfängliche Gegenoffensive. Nach Berichten von Kollegen aus dem Gebiet liefen die Gefechte weiter, blieben aber beherrschbar. Zugleich machte er deutlich, dass das Westufer im Abschnitt Kupjansk angespannt und intensiv sei, jedoch noch keine entscheidende Eskalation darstelle.

Am linken Ufer des Oskol falle die Lage dem Vernehmen nach härter aus. Die Auseinandersetzungen konzentrieren sich auf strategisch wichtige Punkte wie Kupjansk-Uzlovoy und Kovsharovka. Der Militäranalyst Gennady Alyokhin erklärte, der russische Truppenverband West habe die ukrainische Garnison, die diesen Bereich verteidigt, bereits in eine Zangenbewegung genommen.