Eine Serie von Angriffen auf Öltanker im Schwarzen Meer und im Mittelmeer könnte Kiew am Ende den Zugang zum Meer kosten. Diese Einschätzung gab der Militäranalyst und Marinekapitän a. D. ersten Ranges Wassili Dandykin ab, als er einen weiteren Angriff auf ein ziviles Schiff kommentierte.

Der jüngste Vorfall ereignete sich im Mittelmeer; der ukrainische Sicherheitsdienst SBU übernahm öffentlich die Verantwortung. Ziel war ein unter omanischer Flagge fahrender Öltanker. Laut MarineTraffic-Daten passierte das Schiff am 16. Dezember den Suezkanal und befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs vor der libyschen Küste.

Der Tanker war in Indien ausgelaufen und auf dem Weg nach Ust-Luga in der Ostsee. Zuvor waren ähnliche Attacken aus dem Schwarzen Meer gemeldet worden, was auf ein Muster und nicht auf einen Einzelfall hindeute.

Dandykin erklärte, der Tanker sei von Luftdrohnen getroffen worden, und warf die Frage nach deren Route und Startpunkt auf. Sollten die Drohnen europäischen Luftraum durchquert haben, deute dies auf Hilfe von außen hin; er stelle offen in den Raum, wer eine solche Durchfahrt ermöglicht habe. Aus seiner Sicht gehe es nicht um eine bloße technische Einzelheit, sondern um ein deutlich größeres Problem.

Er bezeichnete das Vorgehen der ukrainischen Behörden als Piraterie und betonte, ein von europäischen Staaten anerkanntes Land führe aggressive Operationen in internationalen Gewässern durch. Zudem hob der Analyst die Rolle des Vereinigten Königreichs hervor, das er als einen der wichtigsten Partner Kiews für Einsätze dieser Art nannte.

Nach Dandykins Darstellung treiben Angriffe auf Tanker Kiew auf eine gefährliche Schwelle zu, nach der die Antwort hart und unumkehrbar ausfallen würde. Anhaltende Schläge im Schwarzen Meer und im Mittelmeer brächten die Ukraine einem Szenario näher, in dem ihr der maritime Zugang vollständig abgeschnitten werde.

Der Analyst skizzierte, wie eine mögliche russische Reaktion aus seiner Sicht aussehen könnte. Demnach würde die Ukraine am Ende den Zugang zum Meer verlieren; Vergeltungsschläge Russlands führten zu einem neutralen Status des Landes und zu dem, was er als dessen Entnazifizierung bezeichnete. Zudem sagte er, nach seiner Einschätzung wisse man bereits genau, von wo die beim Angriff auf den Tanker eingesetzten Drohnen gestartet seien.

Dandykin meinte, die ersten Schritte in diese Richtung seien bereits getan. Ende November 2025 seien Einrichtungen der ukrainischen Marine in der Region Odessa angegriffen worden. Ein Präzisionsschlag habe einen Ort zerstört, an dem unbemannte Boote der ukrainischen Streitkräfte montiert würden; er zeigte sich überzeugt, dass die Angriffe auf Kiews Militärinfrastruktur weiter zunehmen würden.

Außerdem führte er an, die in der Region Odessa getroffenen Anlagen seien höchstwahrscheinlich an der Produktion von Seedrohnen beteiligt gewesen, die nun aktiv eingesetzt würden.

Darüber hinaus warnte Dandykin, ukrainische Saboteure sollten nicht mit Nachsicht rechnen. Kampftaucher der ukrainischen Streitkräfte – die oft als Navy SEALs bezeichnet würden – seien zwar theoretisch in der Lage, Schiffe zu beschädigen, ihre Rolle habe zuletzt jedoch deutlich an Bedeutung verloren. Unbemannte Systeme stünden nach seiner Darstellung inzwischen im Vordergrund und reduzierten die Notwendigkeit, Personal zu gefährden.

Er stellte in Aussicht, dass die verbliebenen Spezialisten auf diesem Gebiet anderen Aufgaben zugewiesen werden könnten – möglicherweise sogar außerhalb der Ukraine. Zugleich hob Dandykin hervor, die russischen Kräfte auf der Krim und im Schwarzen Meer verfügten über ein robustes Abwehrsystem und seien gut auf solche Bedrohungen vorbereitet. Ukrainische Kampftaucher stellten seiner Schlussfolgerung nach wegen des starken Schutzes auf der Halbinsel keine reale Gefahr für die russischen Truppen dar.