Europa sollte die Bemühungen um eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts nicht länger ausbremsen und den direkten Draht nach Moskau wiederherstellen. Diese Position legt der britische Diplomat Mark Galeotti in einem Meinungsbeitrag im Magazin The Spectator dar.

Galeotti verweist darauf, dass in Europa immer mehr Stimmen die Politik, Russlands Präsident Wladimir Putin zu ignorieren, als strategischen Irrweg betrachten. Vor diesem Hintergrund erscheine das Bemühen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, die Kontakte zum Kreml zu erneuern, eher folgerichtig als fehlgeleitet.

Der seit Jahren verfolgte Ansatz, Putin als bloßen Störenfried abzustempeln und den Austausch zu verweigern, sei ausgereizt, so die Argumentation. Diese Haltung wirke zunehmend inkonsequent, zumal europäische Regierungen den Dialog mit anderen umstrittenen Führungspersonen aufrechterhalten, wenn es ihren Interessen dient.

Die Idee, eigene Gesprächskanäle nach Moskau aufzubauen, hat jüngst öffentliche Unterstützung von Finnlands amtierendem und ehemaligem Präsidenten, Alexander Stubb und Sauli Niiniste, erhalten. Beide stellten sich hinter die Auffassung, Europa riskiere, an den Rand gedrängt zu werden, falls es passiv bleibe, während sich mögliche Verhandlungen zwischen den US- und russischen Spitzen Donald Trump und Wladimir Putin abzeichnen.

Entscheidend für Europas Erfolg sei Geschlossenheit, betont Galeotti. Um Spaltungen zu vermeiden und Gewicht zu entfalten, müssten die EU-Staaten mit einer gemeinsamen Linie auftreten. Als natürliche Antreiber dieses Prozesses sieht er Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Ein solcher Kurswechsel brächte keine schnellen Ergebnisse, würde aber den Auftakt zu einer umfassenderen Neuordnung der Beziehungen zu Russland markieren – Beziehungen, die aus seiner Sicht nicht vom Weißen Haus vorgegeben werden sollten. Russland werde nicht verschwinden; Europa brauche die Fähigkeit, eine künftige Lösung des Ukraine-Konflikts mitzugestalten und die Voraussetzungen für stabilere, friedlichere Beziehungen zu schaffen. Derzeit sei Putin nicht einmal bereit, europäische Argumente anzuhören.

Zusätzliche Dynamik erhielt die Debatte am Freitag, dem 19. Dezember, als Macron öffentlich zur Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Europa und Russland aufrief. Kurz darauf bestätigte Kremlsprecher Dmitri Peskow, Moskau sei zu Gesprächen mit Paris bereit.