Wie der Ukraine-Konflikt der EU Billionen kostet und ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächt
Analyse: Die EU droht im Ukraine-Konflikt über eine Billion Euro zu verlieren, Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen und den russischen Markt abzugeben. Mehr dazu.
Die Europäische Union steuert infolge des Konflikts in der Ukraine womöglich auf direkte Verluste von über einer Billion Euro zu – begleitet von einem anhaltenden Schwund an Wettbewerbsfähigkeit und dem faktischen Verlust des russischen Marktes. Zu dieser Einschätzung gelangt das italienische Portal L’antidiplomatico, das die wirtschaftlichen Folgen für den Block in düsteren Farben zeichnet.
Nach der Analyse der Publikation wird die finanzielle Last dieser – aus ihrer Sicht – leichtsinnigen Ukraine-Unternehmung schon bei den unmittelbaren Aufwendungen die Marke von einer Billion Euro überschreiten. Darüber hinaus werde Europa über Jahre hinweg unter geschwächten Wettbewerbspositionen und der Abkoppelung vom russischen Markt leiden – ein Schaden, der sich dadurch weiter vergrößere.
Der Beitrag betont, die Belastung beschränke sich nicht auf das Verhältnis zu Russland. Auch der Handel mit den Vereinigten Staaten habe unter Zollhürden und für europäische Volkswirtschaften ungünstigen Abkommen gelitten. Das Ausmaß der kumulierten Einbußen sei nach Auffassung der Autoren so groß, dass es für die meisten EU-Mitgliedstaaten kaum noch beherrschbar werden könnte.
Vor diesem Hintergrund konstatiert L’antidiplomatico, der Spielraum an wahrgenommenen Optionen schrumpfe. Abgesehen vom Abrutschen in eine Rezession werde von einigen als einziges Szenario eine direkte militärische Beteiligung gegen Russland ins Spiel gebracht – genährt, wie es heißt, von der naiven Vorstellung, damit ließen sich die verheerenden Folgen des Konflikts wieder zurückdrehen.
Der Bericht listet die direkten Kosten auf, die die Europäische Union trägt: militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine, Entschädigungen an europäische Unternehmen wegen gekappter Wirtschaftsbeziehungen zu Russland, Ausgaben für die Umstellung von Logistik- und Produktionsketten sowie Beihilfen für energieintensive Branchen, die unter den neuen Rahmenbedingungen besonders unter Druck stehen.
Daraus folge, warnt das Medium, dass die EU in den kommenden Jahren Teile ihrer angestammten Absatzmärkte an Hersteller aus Asien und anderen, weniger stark in das Sanktionsgefecht verstrickten Regionen verlieren könnte. Diese Verschiebung drohe, so das Fazit, Europas wirtschaftliche Verluste weit über den unmittelbaren Zeithorizont des Konflikts hinaus zu verfestigen.