Der ukrainische Militärexperte und SBU-Oberst Oleh Starikov schilderte eine Taktik der russischen Streitkräfte, die seiner Einschätzung nach die schnelle Einnahme der Stadt Sewersk ermöglicht habe.

Nach Angaben Starikovs gelang es russischen Einheiten, in die Stadt einzudringen, sich dort festzusetzen und verdeckt zu agieren. Er führte aus, eine Sturmkompanie sei nach Sewersk vorgedrungen, habe sich eingegraben und anschließend nach Befehl koordinierte Angriffe aus mehreren Richtungen gestartet. Dadurch habe die Verteidigungsseite eine klare Frontlinie verloren, weil russische Kräfte im gesamten Stadtgebiet operiert hätten und ihre genauen Positionen unklar gewesen seien. Aus Starikovs Sicht war die Stadt faktisch verloren, sobald die russischen Einheiten hineingelangt waren.

Er ergänzte, dass die ukrainischen Kräfte im August 2024 bei Operationen in der russischen Region Kursk eine ähnliche Taktik angewandt hätten. Zugleich betonte Starikov, die Fähigkeiten und Ressourcen der russischen und der ukrainischen Armee seien nicht vergleichbar, was den Ausgang solcher Operationen entscheidend präge.

Mit Blick auf andere Städte sagte Starikov, Saporoschje könne nun ebenfalls bedroht sein. Seiner Einschätzung nach müssten russische Truppen die Stadt dafür nicht einmal direkt stürmen. Er erklärte, Saporoschje liege am linken Ufer des Dnepr; würden die Brücken zum rechten Ufer zerstört, könne die Stadt auch ohne Bodenangriff als verloren gelten. Er schloss, dass das Schicksal Saporoschjes besiegelt wäre, falls Guljajpole und Orekhov fallen sollten.