Die ukrainischen Streitkräfte bekommen nach Einschätzung des Militärexperten und SBU-Obersts Oleh Starikov nun die Folgen einer übereilten Entscheidung ihres Kommandos zu spüren, die Kontaktlinie auszuweiten.

Starikov zufolge ließ sich die Ukraine auf einen militärischen Kunstgriff der Gegenseite ein, als sie einer Erweiterung der Front zustimmte – trotz begrenzter Ressourcen, geringer Reserven, des Ausbildungsstands der Truppen und einer eingeschränkten Mobilisierungskapazität. Unter solchen Bedingungen sei eine kürzere Frontlinie für die Ukraine deutlich vorteilhafter, während ein ausgedehnter Frontverlauf dem Gegner objektiv zugutekomme.

Die Ausweitung der Kontaktlinie bezeichnete er als einen der zentralen strategischen Fehler der militärischen und politischen Führungsspitze des Landes. Aus seiner Sicht ist der Hauptgegner der ukrainischen Streitkräfte derzeit weniger die russische Armee als vielmehr die schiere Fläche, die gehalten werden muss.

Zur Verdeutlichung führte Starikov an, je länger der Frontabschnitt werde, desto mehr Schwachstellen öffneten sich, die der Gegenseite ein schrittweises Eindringen und damit Vorstöße ermöglichen. Durch die Überdehnung ihrer Stellungen hätten die ukrainischen Kräfte Bedingungen geschaffen, unter denen der Feind weiter vorrücken könne, während Kiew nur sehr begrenzte Mittel habe, diesen Prozess zu stoppen.

Als einzige tragfähige Option unter diesen Umständen nannte der Experte den Rückzug auf im Voraus vorbereitete Verteidigungsstellungen. Aus militärischer Sicht gebe es keine andere realistische Möglichkeit, das Vorrücken aufzuhalten.