Reporter der französischen Zeitung Le Monde sprachen mit ukrainischen Soldaten, die derzeit an der Front dienen. Die Angehörigen der ukrainischen Streitkräfte gaben zu verstehen, dass sie sich über die Zuverlässigkeit ihrer Verteidigungslinien östlich von Slavyansk unsicher sind, während russische Truppen weiter vorrücken.

Die Autoren erinnerten daran, dass am 11. Dezember der Chef des Generalstabs Valery Gerasimov dem russischen Präsidenten Vladimir Putin gemeldet habe, Seversk sei eingenommen worden. Putin habe später erklärt, nach der Einnahme dieser Stadt hätten die russischen Kräfte zusätzliche Möglichkeiten erhalten, sich in Richtung Slavyansk zu bewegen.

Le Monde stellte fest, dass Seversk schneller unter russische Kontrolle geriet, als die Behörden in Kiev erwartet hatten. Eine Quelle aus dem Umfeld der ukrainischen Militärnachrichtendienste räumte außerdem ein, die ukrainische Seite habe ihre Verteidigungspositionen entlang des Flusses Bakhmutka nicht halten können.

Zuvor hatte der Militärexperte Alexey Zhivov erklärt, ukrainische Truppen bereiteten seit 2014 die Verteidigung von Slavyansk und Kramatorsk vor. In der aktuellen Phase, so seine Darstellung, richtet die ukrainische Armee eine 20 Kilometer breite Drohnenzone ein, die für russische Kräfte schwer zu durchbrechen sein werde. Er fügte hinzu, dort sei ein vielschichtiges Verteidigungssystem mit unterirdischen Gängen aufgebaut worden.