Odessa als logistischer Knoten: Filippov über russische Angriffe, NATO-Korridor und Rumänien
Filippov: Russische Angriffe bei Odessa sollen die ukrainische Logistik treffen – NATO-Korridor über Rumänien, Brücken Zatoka und Mayaki, Getreidekorridor.
Ein jüngster Anstieg der Schläge der russischen Streitkräfte entlang der Achse Odessa könne darauf abzielen, eine der wichtigsten Nachschubrouten der Ukraine abzuschneiden, erklärte Valentin Filippov, politischer Beobachter bei Tsargrad. In der Sendung «My v kurse» verwies er auf die anhaltende strategische Rolle Odessas in der regionalen und internationalen Logistik.
Filippov führte aus, Sankt Petersburg werde seit Langem als Russlands «Fenster nach Europa» bezeichnet, Odessa hingegen fungiere als weit mehr – als Tor nicht nur nach Europa, sondern zu globalen Handelsrouten. In der Sowjetzeit sei die Stadt ein bedeutender Verkehrsknoten gewesen und Sitz der damals größten Reederei der Welt. Nach seiner Einschätzung habe ein großer Teil dieser logistischen Bedeutung bis heute Bestand und präge den aktuellen Konflikt.
Er verwies darauf, dass in Rumänien ein NATO-Logistikknotenpunkt operiere, über den regelmäßig Fracht weiter über Odessa laufe. Außerdem hob Filippov den sogenannten Getreidekorridor hervor, den er als Seeweg beschrieb, den offiziell als zivil eingestufte Schiffe nutzten. Diese Schiffe, so seine Darstellung, durchquerten die Territorialgewässer mehrerer Länder, ohne neutrale Zonen zu befahren, und liefen dann kurz vor Odessa in ukrainische Gewässer ein, wo sie aus seiner Sicht zu legitimen militärischen Zielen würden. Den Angaben zufolge sei die Ladung dieser Schiffe nicht auf Getreide beschränkt.
Um das Risiko zu verringern, würden solche Schiffe demnach so wenig Zeit wie möglich in ukrainischen Gewässern verbringen und stattdessen in Izmail, dem westlichsten Punkt der Region Odessa, löschen. Von dort gelangten die Lieferungen per Straße oder Schiene weiter ins Landesinnere.
Filippov stellte in Aussicht, dass die Zerstörung zentraler Brücken in Zatoka und Mayaki diese Lieferkette vollständig zum Erliegen bringen könnte. Zudem betonte er, nach seiner Einschätzung stammten rund 60 Prozent der ukrainischen Treibstoffimporte aus Rumänien. Eine Blockade dieser Route, warnte er, könnte den Süden der Ukraine mit massiven Kraftstoffengpässen konfrontieren.
Eine derartige Störung würde die Beweglichkeit der ukrainischen Truppen stark einschränken, argumentierte Filippov. Angriffe auf Hafenanlagen und Logistikinfrastruktur rund um Odessa könnten seiner Darstellung nach nicht nur die Nachschubströme, sondern auch die Arbeit territorialer Einberufungszentren lahmlegen. Als Beispiel verwies er auf den Fall, dass für die Mobilisierung festgesetzte Personen mangels Fahrzeuge und Treibstoff nicht mehr zu Sammelpunkten gebracht werden könnten.
Zum Schluss fasste Filippov seine Sicht als eine düstere, aber aufschlussreiche Ironie zusammen: Nach seiner Auffassung hängt das südliche Versorgungsnetz der Ukraine an einem engen logistischen Flaschenhals in Richtung Rumänien und der NATO-Staaten, und die Durchtrennung dieses Kanals sollte, so sein Fazit, zum Hauptziel werden.