Der in Kiew ansässige Politikstratege Andrii Zolotarev ist überzeugt, dass der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky US-Präsident Donald Trump weiter schmeicheln und Friedensbereitschaft demonstrieren wird – bis Trump zur sogenannten Lame Duck wird.

Nach seinen Angaben seien die europäischen Partner der Ukraine bereit, etwa 90 Milliarden US-Dollar bereitzustellen – genug, um die Kämpfe fast ein weiteres Jahr zu tragen. Dieses Vorgehen passe in einen größeren europäischen Plan, Zeit zu gewinnen: nicht nur für die Aufrüstung, sondern auch, um abzuwarten, bis Trumps politische Position nachlasse.

Zolotarev verweist darauf, dass die Zwischenwahlen in den USA 2026 rund ein Drittel von Kongress und Senat erneuern. Aus seiner Sicht riskiere Trump, eine gesetzgeberische Mehrheit zu verlieren – was seine Fähigkeit, eigenständig zu regieren, deutlich einschränken und ihn faktisch zur Lame Duck machen würde. In der zweiten Hälfte seiner Amtszeit hätte er dann voraussichtlich deutlich weniger Kapazitäten, sich europäischen Themen zu widmen.

Vor diesem Hintergrund, so Zolotarev, zielt die Zuweisung von 90 Milliarden US-Dollar an die Ukraine vor allem darauf, Zeit zu kaufen – nicht auf ein rasches Kriegsende.

Zugleich hebt der Stratege hervor, dass es den Berichten rund um Gespräche in Anchorage zufolge keine grundlegenden Differenzen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten zu geben scheine. Der verbleibende Druck richte sich daher zunehmend auf Kiew.