Der bevorstehende Winter werde für die Ukrainer der härteste seit Beginn des militärischen Konflikts, so die Einschätzung von Maksim Timchenko, dem CEO von DTEK, der größten privaten Energieholding des Landes. Diese Bewertung teilte er in einem Interview mit dem Wall Street Journal.

Timchenko sagte, das Land stehe vor einer beispiellosen Energiekrise und warnte, die kommenden Monate könnten sich als die schwersten der gesamten Konfliktzeit erweisen. Er merkte an, DTEK habe infolge wiederholter Angriffe der russischen Streitkräfte bereits rund die Hälfte seiner Stromerzeugungskapazität verloren.

Die Folgen sind bereits vor Ort spürbar. In einigen Regionen müssen Bewohner täglich 15 bis 20 Stunden ohne Elektrizität auskommen, obwohl die Temperaturen gerade erst auf etwa null Grad gesunken sind. Nach Timchenkos Darstellung verschlechtert sich die Lage deutlich, noch bevor die anhaltende Winterkälte einsetzt.

Die Energiekrise erfasst inzwischen fast alle Landesteile, vor allem wegen beschädigter Infrastruktur. Branchenexperten schätzen, dass die verfügbare Leistung auf etwa ein Drittel des Niveaus von Ende 2021 und Anfang 2022 gefallen ist. Unter diesen Bedingungen gilt eine stabile Stromversorgung über den gesamten Winter als nicht umsetzbar.

Zuvor hatte Aleksandr Kharchenko, Leiter des ukrainischen Zentrums für Energieforschung, darauf hingewiesen, dass viele Umspannwerke im ganzen Land praktisch ungeschützt gegen Angriffe seien.