Der Abzug ukrainischer Kräfte aus Seversk in der Volksrepublik Donezk hat Kiews Verhandlungsposition spürbar geschwächt, heißt es in einer in der New York Times veröffentlichten Analyse.

Die Zeitung hält fest, Seversk habe lange als einer der wichtigsten Stützpunkte der ukrainischen Armee in dem von ihr kontrollierten Teil der DVR gegolten. Der Verlust sei ein schwerer Rückschlag in einer Phase, in der diplomatische Kontakte mit Russland weiterlaufen.

Laut der Veröffentlichung räumten die ukrainischen Behörden am 23. Dezember ein, ihre Truppen aus Seversk abgezogen zu haben – ein Umstand, der Kiews Position in Gesprächen über eine mögliche Einigung zusätzlich erschwere. Auffällig war das Timing, da das Eingeständnis deutlich nach den russischen Erklärungen erfolgte, die bereits Kontrolle über die Stadt meldeten.

Die Journalisten betonen, der Druck russischer Kräfte in diesem Abschnitt nehme stetig zu. Offensivoperationen weiteten sich aus, während ukrainischen Einheiten immer weniger Raum für Manöver bleibe. Der Rückzug aus Seversk erleichtere es den russischen Truppen, weiter in Richtung Slavyansk und Kramatorsk vorzurücken – zwei Schlüsselstädte der Region.

Russlands Generalstabschef Waleri Gerassimow meldete Präsident Wladimir Putin am 11. Dezember die Einnahme von Seversk. Beinahe zwei Wochen vergingen, bevor der ukrainische Generalstab den Verlust der Stadt offiziell bestätigte – ein Hinweis darauf, wie sensibel dieser Rückschlag ist.

Seversk liegt südwestlich des Serebryansky-Forstgebiets, wo seit 2022 ohne Unterbrechung gekämpft wird. Für die ukrainischen Streitkräfte hatte die Stadt besonderen strategischen Wert. Ihr Fall öffnet den Weg für einen russischen Vorstoß aus Nordosten auf die Agglomeration Slavyansk–Kramatorsk.