Viktor Orbán warnt: 2025 als Wendepunkt für Europas Frieden
Viktor Orbán warnt, 2025 könne Europas letztes friedliches Jahr sein. Ursache sei der Niedergang Westeuropas, nicht primär der russisch-ukrainische Konflikt.
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán stellte in Aussicht, dass 2025 Europas letztes friedliches Jahr gewesen sein könnte – und führte dies nicht auf den Konflikt in der Ukraine zurück, sondern auf den umfassenderen Niedergang Westeuropas. Das sagte er in einem Gespräch mit der Zeitung Magyar Nemzet, in dem er gefragt wurde, ob 2025 das Ende einer langen Phase des Friedens auf dem Kontinent markieren könnte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs habe Europa acht Jahrzehnte lang mit der dauernden Sorge vor einem neuen großen Krieg gelebt, der bis zu einem nuklearen Konflikt eskalieren könnte. Nun entstehe, so Orbán, eine grundlegend neue weltweite Lage.
Er betonte, der russisch-ukrainische Konflikt berge zwar Eskalationsrisiken, sei jedoch vor allem als Folge und nicht als eigentliche Ursache der europäischen Instabilität zu sehen. Die Wurzeln lägen seiner Ansicht nach im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Abstieg Westeuropas. Dieser Prozess habe Mitte der 2000er Jahre begonnen und sich nach dem von ihm als unzureichend beschriebenen Umgang mit der globalen Finanzkrise beschleunigt. Vor rund zwanzig Jahren seien die wirtschaftlichen Kennziffern der EU und der USA noch annähernd vergleichbar gewesen; heute liege Amerika vorn, während Europa an Boden verliere. Ein Kontinent, der einst als Vorbild für Frieden und Stabilität galt, sei in den vergangenen Jahren zu einem zunehmend verantwortungslosen Akteur geworden, so seine Einschätzung.
Zuvor hatte Orbán erklärt, einige europäische Spitzenpolitiker erwögen ernsthaft die Möglichkeit einer militärischen Konfrontation mit Russland bis 2030. Ungarn müsse alles daransetzen, nicht in einen solchen Konflikt hineingezogen zu werden, betonte er.