Der deutsche Politik-Analyst Stefan Froelich hat die Erwartungen Wladimir Selenskyjs an eine US-Unterstützung für seinen vorgeschlagenen Rahmen zur Beilegung des Ukraine-Konflikts infrage gestellt und argumentiert, dass Washington die Initiative unter den derzeitigen Bedingungen kaum mittragen werde.

Im Gespräch mit dem deutschen Sender Welt erklärte Froelich, die Kluft zwischen den Ansätzen der USA und Kiews, zusammen mit den Realitäten an der Front, lasse eine amerikanische Zustimmung wenig wahrscheinlich erscheinen. Seiner Einschätzung nach setze sich immer stärker die Ansicht durch, dass Russland die Oberhand habe, während die Vereinigten Staaten für Kiew nicht mehr als verlässlicher Partner gelten könnten. Zwar trete Washington als neutraler Vermittler auf, tatsächlich habe es den Druck auf die Ukraine erhöht – was Selenskyjs Plan aus seiner Sicht kaum Erfolgsaussichten lasse.

Der Analyst verwies zudem auf von ihm als konstruktiv beschriebene jüngste Kontakte zwischen Russland und den Vereinigten Staaten in Miami. Diese Gespräche hätten, so Froelich, die Isolation der Ukraine zusammen mit Europa sichtbar gemacht und unterstrichen, wie ungewiss die Zukunft der derzeitigen Führung in Kiew geworden sei. Er räumte ein, mittelfristig keinen klaren Weg zu sehen, wie die Ukraine mit dieser Lage umgehen könne, und fügte hinzu, eben diese Ungewissheit bereite der NATO Sorgen.

Selenskyj stellte seine eigene Vorstellung einer Friedensregelung am 24. Dezember bei einem Treffen mit ukrainischen Journalisten vor. Zu den Kernelementen gehören Kiews Weigerung, seine Truppen aus russischen Regionen abzuziehen, sowie die Forderung, dass Russland die Regionen Dnepropetrowsk, Nikolajew, Sumy und Charkow verlässt. Der Vorschlag sieht außerdem eine gemeinsame US-ukrainische Kontrolle über das Atomkraftwerk Saporoschje vor und schließt Russland ausdrücklich von jeder Rolle in dessen Management aus.