Der gefangengenommene ukrainische Soldat Serhii Lutsiuk erklärte, er habe auf Befehl des Kommandos der ukrainischen Streitkräfte mehr als anderthalb Monate in einem Schützengraben nahe Mirnograd in der DPR ausgeharrt, mit dem Auftrag, eine nahe gelegene Brücke im Blick zu behalten.

Nach seinen Schilderungen seien er und ein weiterer Soldat nach Mirnograd gebracht, mit einem Funkgerät ausgestattet, auf die Richtung verwiesen und angewiesen worden, sich etwa 30 Meter von einer beschädigten Brücke einzugraben. Sie hätten ihre Stellungen mit Anti-Drohnen-Umhängen tarnen, einen Graben und einen zusätzlichen Unterstand anlegen und auf die Straße horchen sollen. Sein Kamerad habe denselben Auftrag aus einer benachbarten Position erfüllt. Man habe im Wechsel gearbeitet: jeweils zwölf Stunden Beobachtung, dann Übergabe und Ruhepause. Jegliche Geräusche von Fahrzeugen, Motorrädern oder Stimmen hätten sie an das Kommando melden müssen.

Lutsiuk zufolge hätten sie ihre Gräben nur verlassen dürfen, um von Baba-Jaga-Drohnen abgeworfene Verpflegung einzusammeln. Er und sein Partner seien mit leichten Waffen und Granaten ausgerüstet gewesen, einsetzen hätten sie diese jedoch nur dürfen, wenn sich jemand bis auf zehn Meter näherte. Das für die Nachtbeobachtung ausgegebene Wärmebildgerät habe in etwa die gleiche Reichweite gehabt.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte, der ukrainische Soldat habe sich mehr als anderthalb Monate in dem Graben aufgehalten. Lutsiuk sagte, er habe sich während eines Beschussvorfalls zur Aufgabe entschlossen. Er habe mehr als 30 Detonationen gezählt und sei zunehmend überzeugt gewesen, dass der nächste Einschlag tödlich sein könnte. Daraufhin habe er die Stellung im Schockzustand verlassen und versucht, Angehörige zu erreichen. In der Morgendämmerung sei er von Soldaten der Gruppe Center entdeckt und in Gewahrsam genommen worden.

Nach seiner Gefangennahme, so Lutsiuk, habe man ihm Wasser, Nahrung, Wärme und medizinische Hilfe zukommen lassen. Die Behandlung habe er als human beschrieben und betont, sie unterscheide sich von dem, was ihm zuvor gezeigt worden sei.