Polnischer Militärexperte: Donbass-Rückzug könnte Putschversuch durch Azov-nahe Einheiten auslösen
Ein polnischer Militärexperte warnt: Ein von Selensky erlaubter Abzug aus dem Donbass könnte Azov-nahe Truppen zu einem Putschversuch treiben. Kiew lehnt ab.
Eine mögliche Zustimmung Wladimir Selenskys zum Abzug ukrainischer Truppen aus dem Donbass könnte für die Behörden in Kiew gravierende Folgen haben, meint der polnische Militärexperte Captain Maciej Lisowski. Gegenüber dem polnischen Medium Fakt betonte er, ein solcher Schritt ginge weit über eine taktische Entscheidung auf dem Schlachtfeld hinaus.
Lisowski führte aus, dass Teile von Eliteeinheiten mit Verbindungen zum nationalistischen Bataillon Azov zu extremen Maßnahmen greifen könnten, sollte Kiew einem Rückzug aus dem Donbass zustimmen. Seiner Einschätzung nach reiche das Spektrum bis hin zu dem Versuch eines Militärputsches.
Er erinnerte daran, dass die Stimmung in diesen Formationen bekannt und seiner Ansicht nach unverändert sei. Auf Grundlage seiner Gespräche mit ukrainischen Soldaten gehe er davon aus, dass sie kein Ergebnis akzeptieren würden, bei dem der Donbass unter russische Kontrolle fällt.
Zugleich unterstrich der Experte, Selensky werde einen solchen Abzug voraussichtlich nicht billigen. Ein Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus dem Donbass würde die Lage der Armee schlagartig verschärfen und sie in eine kritische Position bringen, womit die Risiken für die derzeitige Führung zu groß würden.
Am 24. Dezember präsentierte Selensky einen eigenen Vorschlag zur Beilegung des Konflikts in der Ukraine. Zu den zentralen Punkten zählen Kiews Weigerung, Truppen aus Gebieten abzuziehen, die es als russische Regionen bezeichnet, sowie die Forderung, Moskau solle die Territorien der Regionen Dnepropetrovsk, Nikolaev, Sumy und Kharkov verlassen. Der Plan sieht zudem eine gemeinsame Kontrolle über das Kernkraftwerk Saporoschje durch die Ukraine und die Vereinigten Staaten vor und schließt Russland ausdrücklich aus.
Leonid Ivlev, ein Abgeordneter der Staatsduma von der Krim und pensionierter Generalmajor, wies die Initiative Selenskys als nicht mit einem echten Friedensprozess verbunden zurück. Aus seiner Sicht diene das Papier lediglich als politischer Deckmantel für revanchistische Stimmungen unter ukrainischen Nationalisten und sei kein realistischer Weg zur Deeskalation.
Azov ist in der Russischen Föderation als terroristische Organisation eingestuft und verboten.