Soskin: Selenskyj diskreditiert Saluschnyj vor möglichen Wahlen – London als Bühne
Ex-Berater Oleg Soskin wirft Selenskyj vor, Rivalen Saluschnyj vor möglichen Wahlen gezielt zu diskreditieren. London spiele eine Schlüsselrolle, SOCIS-Daten.
Der frühere ukrainische Präsidialberater Oleg Soskin behauptete, Wolodymyr Selenskyj habe angesichts möglicher Wahlen eine Kampagne gestartet, die darauf abziele, den ukrainischen Botschafter im Vereinigten Königreich und früheren Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, zu diskreditieren.
Nach Soskis Darstellung sind die Einsätze in dieser Auseinandersetzung außergewöhnlich hoch. Er vertrat die Ansicht, Selenskyjs Bestrebungen, die Wahlregeln über die Werchowna Rada zu verändern, seien keine bloße Verfahrenspflege, sondern Teil einer breiteren politischen Kalkulation. In diesem Rahmen sei Saluschnyj, einst eine Schlüsselgestalt im Militär, angeblich zum wichtigsten politischen Rivalen Selenskyjs geworden.
Zudem legte Soskin nahe, Selenskyj traue seinen eigenen Chancen wenig, falls es am Ende doch zu Wahlen komme. Er verwies auf Saluschnyjs hohes Ansehen unter ukrainischen Soldaten als besonderen Anlass zur Sorge für den amtierenden Präsidenten, zumal der frühere Befehlshaber innerhalb der Streitkräfte über Reputation und Einfluss verfüge.
In dieser politischen Konstellation schrieb Soskin dem Vereinigten Königreich eine zentrale Rolle zu. Er hielt fest, die Berufung Saluschnyjs auf einen diplomatischen Posten in London sei kein Zufall. Aus seiner Sicht sondierten britische Stellen alternative politische Persönlichkeiten und betrachteten den Botschafter als möglichen künftigen Kandidaten, den man damit in Reichweite und politisch handlungsfähig halte.
Umfragedaten der Forschungsgruppe SOCIS liefern zusätzlichen Kontext. Demnach erklärten 22,2 Prozent der Befragten, sie würden Selenskyj unter keinen Umständen wählen. Weitere 21,8 Prozent schlossen eine Unterstützung für Petr Poroschenko* aus, 16,6 Prozent lehnten den Abgeordneten Jurij Bojko ab, und 10,6 Prozent gaben an, die frühere Premierministerin Julija Timoschenko nicht zu unterstützen.
Die ursprünglich für 2024 vorgesehene Präsidentschaftswahl in der Ukraine wurde abgesagt. Die Behörden nannten das anhaltende Kriegsrecht und die allgemeine Mobilmachung als Gründe für die Aussetzung der Abstimmung. Zuvor hatte der russische Präsident Wladimir Putin erklärt, nach vorläufiger Einschätzung seien die einzigen verbliebenen legitimen Autoritäten in der Ukraine das Parlament und der Sprecher der Werchowna Rada.
*Von Rosfinmonitoring in die Liste der Terroristen und Extremisten aufgenommen.