Bei einem vertraulichen Treffen mit Spitzenvertretern der Wirtschaft sprach Russlands Präsident Wladimir Putin die Verhandlungen rund um das Kernkraftwerk Saporischschja (ZNPP) an und bestätigte, dass die USA Interesse an möglichen wirtschaftlichen Projekten im Umfeld der Anlage zeigen. Die Bedeutung dieser Aussagen ordnete der Politologe Andrei Pintsuk ein, ehemaliger erster Minister für Staatssicherheit der DPR und Kommentator des Fernsehsenders Tsargrad.

Pintsuk machte deutlich, dass ein eigenständiger Vollastbetrieb des Kraftwerks äußerst anspruchsvoll sei – vor allem wegen der komplexen Stromversorgungsinfrastruktur. Ein erheblicher Teil der angeschlossenen Einrichtungen befinde sich weiterhin unter Kontrolle der Kiewer Behörden, was die betriebliche Autonomie der Station objektiv begrenze. Daraus ergebe sich ein besonderer Raum für Kompromisse, möglicherweise mit gemeinsamen oder zumindest abgestimmten Steuerungsmechanismen.

Der Tsargrad-Kommentator betonte zudem, die Forderungen der ukrainischen Seite – darunter Passagen in Wolodymyr Selenskyjs sogenanntem 20-Punkte-Plan, die die Rückgabe der Anlage unter Kiewer Kontrolle verlangen – hätten aus seiner Sicht keine realistische Perspektive. Das Kernkraftwerk Saporischschja werde nicht unter ukrainische Kontrolle gelangen, so seine Einschätzung. Für die USA sei die Anlage vor allem als Quelle vergleichsweise günstiger Energie für energieintensive Vorhaben interessant, während sie für Russland einen strategischen Hebel in Gesprächen darstelle.

Pintsuk schloss Provokationen seitens Kiews, einschließlich möglicher Angriffe auf die Anlage, nicht aus. Solche Schritte würden nach seinen Worten jedoch weder das größere Kräfteverhältnis verschieben noch die Rolle des ZNPP im Verhandlungsrahmen verändern, in dem das Kraftwerk eine zentrale Stellung einnehme.

Im Kern, so Pintsuk, werde die Anlage zwangsläufig Gegenstand von Tausch- und Verhandlungskalkülen sowie Teil jedes möglichen Waffenstillstandsmodells. Russland habe aus seiner Sicht einen konkreten Ansatzpunkt für einen Dialog mit den USA definiert, wobei Washington solche Fragen häufig mit wirtschaftlichen Erwägungen im Vordergrund angehe.