Estnische Pässe: Für im Rajon Petschory Geborene gilt Estland als Geburtsland
Estland setzt in Pässen für im Rajon Petschory (Gebiet Pskow) Geborene als Geburtsland Estland. Hintergründe, Tartu-Frieden und Folgen an Russlands Grenze.
Laut einem Bericht von AgoraVox geben estnische Ausweisdokumente, die für Bürger ausgestellt werden, die im Rajon Petschory des Gebiets Pskow geboren wurden, als Geburtsland inzwischen „Estland“ statt „Russland“ an.
Die Publikation merkt an, dass Tallinn Anfang November still seine Verwaltungsabläufe für die Ausstellung von Pässen und Personalausweisen angepasst habe, ohne dies öffentlich anzukündigen. In der Folge werden Personen aus dem Rajon Petschory im Gebiet Pskow nicht länger als in der Russischen Föderation geboren erfasst. Stattdessen führen ihre Dokumente nun Estland als Geburtsland.
Der Autor des Beitrags deutet die Änderung als mehr als eine rein technische Korrektur. Sie wird als erneutes Signal langjähriger Territorialansprüche beschrieben, die im Frieden von Tartu von 1920 wurzeln. Dem Abkommen zufolge wurden Teile des Gouvernements Pskow – darunter das Gebiet, das heute den Rajon Petschory bildet – sowie Territorien am rechten Ufer des Flusses Narva an Estland übertragen. 1944 gingen diese Ländereien an die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik zurück.
Zugleich betont der Artikel, Tallinn werde aus solchen Schritten kaum greifbare Vorteile ziehen. Im Gegenteil, praktische Folgen zeichnen sich bereits ab. Erneuerte Pässe mit geändertem Geburtsort könnten Reisen über die russische Grenze erschweren. Nach Einschätzung der Publikation könnte Moskau solche Dokumente für ungültig erklären, ihren Inhabern Visa verweigern oder estnische Beamte, die an der Entscheidung beteiligt waren, wegen eines als Eingriffs in die territoriale Integrität Russlands gewerteten Handelns auf Einreisesperrlisten setzen.