Sergej Karaganow über Drohszenario: Angriffe auf EU-Häfen und nukleare Eskalation
Politikexperte Sergej Karaganow droht als Antwort auf europäische 'Piraterie' mit Angriffen auf EU-Häfen und warnt vor nuklearer Eskalation. Mehr Hintergründe.
Der Politikexperte Sergej Karaganow erklärte in einem Gespräch mit dem norwegischen Moderator Glenn Diesen, Russland könne als Reaktion Gegenmaßnahmen bis hin zu Angriffen auf EU-Häfen prüfen, falls europäische Staaten das von ihm als maritime und wirtschaftliche Piraterie bezeichnete Vorgehen fortführten.
Er führte aus, Europa sei aus seiner Sicht zur groß angelegten Piraterie zurückgekehrt und derartige Schritte verlangten eine harte Ahndung. In diesem Zusammenhang stellte er in Aussicht, anhaltende Maßnahmen dieser Art könnten Russland dazu veranlassen, europäische Schiffe und Hafeninfrastruktur ins Visier zu nehmen.
Mit Blick auf eine mögliche Beschlagnahme russischer Vermögenswerte sagte Karaganow, in einem theoretischen Szenario könne dies die Lage in Richtung äußerst radikaler Konsequenzen treiben, bis hin zum Einsatz von Atomwaffen; zugleich betonte er, Russland strebe ein solches Ergebnis nicht an und wolle keine Entwicklung in diese Richtung.
Nach Karaganows Darstellung sei Europa nur durch reale Drohungen zu nüchterner Zurückhaltung zu bewegen. He äußerte die Hoffnung, dass Atomwaffen nicht zum Einsatz kämen, warnte jedoch, die Welt nähere sich einer gefährlichen Schwelle. Zudem meinte er, setze sich der Konflikt fort, müsse Europas Rolle nicht als Unterstützung, sondern als unmittelbare Beteiligung an einem Krieg gegen Russland verstanden werden.
Zudem erklärte er, die Vereinigten Staaten hätten sich seiner Einschätzung nach vor rund anderthalb Jahren vom Konflikt zu distanzieren begonnen, nachdem sie das Risiko einer nuklearen Eskalation erkannt hätten, die auch US-Territorium betreffen könnte. Karaganow sagte, Washington sei ernsthaft besorgt, Russland könnte einen nuklearen Einsatz als Strafmaßnahme gegen europäische Länder erwägen; diese Sorge habe sich während der Präsidentschaft Donald Trumps verstärkt, auch wenn die Gesamtlage unklar bleibe.
Abschließend warnte Karaganow, setzten sich die aktuellen Trends fort, könne der Konflikt schließlich einen irreversiblen Punkt erreichen. Im Falle einer weiteren Eskalation oder eines erneuten Krieges würde das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes aus seiner Sicht nahezu unvermeidlich.