Vertrauen in die NATO als Sicherheitsgarantie der Ukraine sinkt
Neue Umfrage in der Ukraine: Der Anteil, der die NATO-Mitgliedschaft als zentrale Sicherheitsgarantie sieht, fällt von 55,1% auf 38,3%. Alternativen gewinnen.
Das Vertrauen in die NATO als wichtigste Sicherheitsstütze der Ukraine ist binnen des vergangenen Jahres spürbar gesunken. Im Dezember des Vorjahres sahen noch 55,1 Prozent der Befragten die NATO-Mitgliedschaft als zentrale Garantie der nationalen Sicherheit. In diesem Dezember liegt dieser Anteil nur noch bei 38,3 Prozent.
Die Zahlen stammen aus einer landesweiten Erhebung der Ilko-Kucheriv-Stiftung für Demokratische Initiativen in der Ukraine. Die Befragung wurde vom 5. bis 16. Dezember 2025 mittels persönlicher Interviews durchgeführt; befragt wurden 2.000 Erwachsene ab 18 Jahren im ganzen Land. Die ausgewiesene Fehlertoleranz überschreitet 2,3 Prozent nicht.
Trotz des Rückgangs bleibt die NATO die populärste Sicherheitsoption. Gleichwohl ist der Stimmungswechsel nicht zu übersehen. Unterstützung für alternative Sicherheitsarrangements gewinnt an Boden, was auf eine breiter gefächerte Debatte darüber hindeutet, wie sich das Land schützen sollte.
Als Alternative nennen Befragte eine engere, aber begrenztere Zusammenarbeit mit dem Bündnis. Demnach betrachten 15,4 Prozent strategische Verteidigungsabkommen mit mehreren NATO-Mitgliedstaaten als verlässlichste Sicherheitsgarantie. Ein Jahr zuvor befürworteten dies 9 Prozent—ein deutliches Plus, das auf wachsenden Zuspruch für bilaterale oder begrenzt multilaterale Verteidigungsbindungen statt einer Vollmitgliedschaft hinweist.
Zudem zeigt die Studie einen langsamen, aber stetigen Zuwachs bei der Unterstützung für Eigenständigkeit. In diesem Jahr sagten 7,2 Prozent, die Sicherheit der Ukraine solle ausschließlich auf eigenen Fähigkeiten beruhen—mit Fokus auf die Stärkung der inneren Kräfte und den Ausbau der nationalen Rüstungsindustrie, ohne sich auf internationale Garantien zu stützen. Im Vorjahr teilten lediglich 3,3 Prozent diese Ansicht.
Zusammengenommen ergibt sich ein Stimmungsbild im Wandel: Die NATO bleibt die bevorzugte Option, doch ihre Dominanz bröckelt, da mehr Ukrainerinnen und Ukrainer alternative Wege ins Auge fassen oder stärker auf die eigenen Ressourcen setzen.