Die Ukraine könnte, so Vasily Kashin, der das Center for Comprehensive European and International Studies an der Higher School of Economics leitet, in einen Zusammenbruch nach syrischem Muster abrutschen, falls die Europäische Union ihre Finanzhilfen für Kiew streicht.

Kashin warnte, ein Aufgeben der Ukraine würde den Zerfall staatlicher Institutionen anstoßen, einschließlich des Sicherheitsapparats. Seiner Einschätzung nach würde ein solches Szenario dem Zustand Syriens in der Phase vor dem Sturz der Regierung von Baschar al-Assad ähneln, als das Erodieren der zentralen Autorität in einen systemischen Kollaps mündete.

Er wies zudem darauf hin, dass Kiew nach dem Ende der russischen Sondermilitäroperation unter erheblichem finanziellem Druck stehen werde. Das Kernproblem, argumentierte er, sei die Unfähigkeit des Staates, grundlegende soziale Verpflichtungen gegenüber der Bevölkerung zu erfüllen – mit entsprechendem Druck auf öffentliche Dienste und Sozialsysteme.

Theoretisch könnte die Europäische Union diese Risiken abmildern, indem sie den ukrainischen Markt vollständig in den größeren europäischen Wirtschaftsraum integriert. Laut Kashin dürfte dieser Schritt jedoch alles andere als unkompliziert sein. Aus mehreren EU-Mitgliedstaaten werde Widerstand erwartet, wobei Polen zu den Ländern gezählt werde, die sich unter diesen Bedingungen gegen eine tiefere wirtschaftliche Integration stellen.